”Sabine
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10. bis 12. November 2011

 

Lieber blog-Leser,

 

Und weiter geht unsere Reise. Unser nächstes Ziel ist Kathmandu, Nepal. Bereits der Flug von Delhi nach Kathmandu ist ein Erlebnis. Man fliegt die ganze Zeit am Himalaya entlang und kann zum ersten Mal die beeindruckende Pracht der vielen über 6tausender genießen.

Angekommen am Flughafen in Kathmandu nahm uns Dorjee in Empfang und schenkte uns einen nepalesischen Schal. Dorjee ist der „Patensohn“ von deutschen Bekannten von uns, die 4 Monate im Jahr in Kathmandu leben. Dorjee ist ein Sherpa (Sherpas sind eine ethnische Gruppe in Nepal, die um 1500 n. Chr. aus Tibet nach Nepal einreisten – fälschlicherweise verbindet man heute mit Sherpas nur die Lastenträger bei Expeditionen) war so freundlich und hat unsere bevorstehende Tibetreise organisiert.

Es war schön mal wieder in Kathmandu zu sein. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und endlich sahen wir einige schneebedeckte Berge. Beim letzten Mal, im April letzten Jahres, war es die ganzen 2 Wochen so dunstig, dass wir kein einziges Mal die Berge des Himalayas klar sehen konnten.

Es hat sich unglaublich viel in Kathmandu getan. Wir hatten das Gefühl, dass weniger Verkehrschaos herrschte, die Straßen sauberer sind und viele Gebäude renoviert wurden. Oder aber empfinden wir das nur so, weil wir gerade aus dem noch einfacheren Indien kommen?

Nepal ist im Vergleich zu Indien deutlich touristischer und für unsere Verhältnisse entwickelter. Zumindest die größeren Städte Kathmandu und Pokhara. Man trifft natürlich auf viel mehr Touristen, aus aller Welt, die von den Nepalis mit allem versorgt werden, was sie sich wünschen: westlichen Restaurants, Alkohol (in Indien bekommt man Bier, Wein, etc. nur in ganz wenigen (geheimen) Shops), mit Mineralwasser gewaschene Früchte und Salate (also auch für uns zu essen, ohne gleich Montezumas Rache zu spüren), tollen Supermärkten, mit allen Produkten, die man sich wünscht. Dafür ist aber alles deutlich teurer als in Indien.

Das Phänomenale an Nepal ist die unglaubliche Herzlichkeit, Offenheit und Toleranz der Menschen. Die Inder sind auch sehr freundlich, aber die Nepalesen sind wirklich herzlich, lächeln immer und sie akzeptieren wirklich alles und jeden aus vollstem Herzen. Und das ist auch der Grund, warum hier über 100 ethnische Gruppen und verschiedene Religionen (Hinduismus, Buddhismus, Christentum, Islam) ganz friedlich nebeneinander und miteinander leben können. Jeder Nepali fühlt sich ein bisschen Hindu, Buddhist, Christ… Diese Art zu Leben und zu Handeln habe ich bisher in keinem anderen Land erlebt.

Und weil hier alles möglich ist, haben wir in den drei Tagen, die wir mittlerweile hier sind, viele Hindu-Tempel, wunderbare buddhistische Klöster und Stupas und ein katholisches Kloster besucht.

Kleiner Hindu-Tempel in Kathmandu.

Und direkt gegenüber eine buddhistische Stupa:

Kapan Monastery mit dem Meditationsgarten, dem Garten mit Blick auf den Ganesh Himal, der Meditationshalle und den Möchen vor den blühenden Weihnachtssternen:

 

Ganz besonders ist für uns immer der Besuch im St. Mary Convent in Patan (einem Vorort von Kathmandu). Hier lebte 50 Jahre Helmuts Großtante Sister Frances. Sister Frances (oder auch Franziska Parstorfer aus Aham in Niederbayern) verließ mit 20 Jahren in den 30er Jahren ihre Heimatstadt und ging als Ordensschwester erst für 30 Jahre nach Indien und dann den Rest Ihres Lebens nach Nepal. 2006 starb sie mit 91 Jahren und liegt in Godavari, vor den Toren Kathmandus, begraben.

Sister Frances

 

Zu Lebzeiten baute Sister Francis Armenschulen, erst in Indien und ab 1955 auch in Nepal auf, die noch heute den Kindern von der Straße (vor allem Mädchen) die Möglichkeit geben, eine kostenlose Ausbildung zu genießen. Auch werden Weiterbildungsmöglichkeiten für junge Frauen angeboten, z.B. Nähkurse, damit sie durch Näharbeiten ihre Existenz sichern können. Auch eine Gesundheits- und Sozialstation wurde von Spenden in Nepal errichtet. Bereits vor 1 ½ Jahren besuchten wir die Nonnen, die für Sister Francis ja Familie waren und als Verwandte gehören auch wir zu dieser großen Familie. Mit großer Herzlichkeit werden wir immer begrüßt. Besonders gefreut haben wir uns, Sister Angelica in Patan zu treffen, eine auch schon etwas betagtere Nonne, die Sister Francis am besten kannte und heute noch ein paar typische deutsche Worte von Franziska zum Besten geben kann („grüß Gott“ – „geh weiter“ – natürlich bayrisch gefärbt J). Die Kekse, die wir angeboten bekommen, werden immer noch nach dem Rezept von Tante Franziska gebacken.

 

Sister Angelica, Sister Margaret Mary und Helmut

 

Dieses Mal besuchten wir nur die Kinder von der St. Mary School, einer sehr guten Schule, für die die Eltern allerdings bezahlen müssen. Sobald wir aus Tibet zurück sind, werden wir auch die Armenschulen besichtigen. Wir haben seit unserem letzten Besuch in Kathmandu bei diversen Gelegenheiten Spenden gesammelt, die wir gestern den Schwestern überreicht haben. In den Armenschulen wollen wir dann besichtigen, was aus dem von uns und der Nepalhilfe Aham gespendeten Geld entstanden ist. (weitere Infos unter www.nepalhilfe-aham.de)

 

 

Die Schwestern machen wirklich einen tollen Job. Das ist wirklich gelebte Liebe. Ich habe höchsten Respekt vor diesem Engagement unter den manchmal katastrophalen nepalesischen Verhältnissen. Leider gibt es auch hier zu wenig Nachwuchs. Momentan leben in Patan 9 Nonnen, die meisten sind indischer Herkunft. Das Durchschnittsalter würde ich aber mal auf 70 Jahre schätzen… Was aber wird in Zukunft wohl sein, wenn nicht mehr genügend Nonnen dieses Ehrenamt ausüben? Was wird aus den Armenschulen? Wir können alle nur hoffen und beten, dass sich immer genügend Mädchen/Frauen finden, die sich für ein Leben im Kloster entscheiden.

Morgen fliegen wir um die Mittagszeit nach Lhasa. Nach einigen Tage Sight Seeing und Eingewöhnungszeit geht es dann mit dem Jeep über den Himalaya zurück nach Kathmandu. Wir sind sehr gespannt, wie dieses Abenteuer wohl werden wird und wie es uns in Höhen zwischen 3.800 und 5.100 Metern gehen wird…

Da wir sehr sehr einfach reisen, werden wir in den nächsten 10 Tagen keine online-Verbindung nach Deutschland haben. Aber das ist glaube ich auch mal ganz gut so. Die moderne Technik ist zwar wunderbar, weil sie die Welt verbindet (das ist schon super, über Skype meine Eltern zu sehen, obwohl wir fast 7.000 km entfernt sind J ) aber es ist auch ein Fluch, weil man ständig versucht ist deutsche Nachrichten zu lesen, Emails abzurufen und auf Facebook zu schauen, was so zuhause los ist.

Ich werde also die kommenden 10 Tage als mein persönliches Retreat sehen, indem nur wir, die Menschen denen wir begegnen und die Natur eine Rolle spielen.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine wunderbare Zeit. Take care! Bye bye und Namasté!

Eure Sabine

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