”Sabine
Mein Twitter Profil
Infos zu den oben stehenden Plug-Ins siehe Impressum Punkt 6.

Liebe blog-Leser,

lange habe ich mich nun nicht gemeldet, obwohl ich doch schon seit 3 Wochen wieder im Lande bin.

Erstmalig nach einer Reise, konnte ich über das Erlebte nicht so ausführlich reden, wie das normalerweise der Fall ist… Zum Einen hatte ich mir eine Lungenentzündung aus dem Urlaub mitgebracht und zum Anderen hat mich die letzte Reise – vor allem die Zeit in Tibet – so tief beeindruckt, dass ich die Eindrücke und Erlebnisse erst mal selbst für mich ordnen und bearbeiten musste.

Die Reise war so atemberaubend, dass sie mir buchstäblich den Atem geraubt hat. Bereits am letzten Tag vor unserer Heimreise begann meine Atemnot in Delhi. Ich lag die ganze Nacht wach, da ich keine Luft bekam, sobald ich mich in die Horizontale begab. Dieser nächtliche Zustand begleitete mich dann auch in Deutschland eine weitere Woche. Es war grauenhaft – schlaflose Nächte und Müdigkeit am Tag. Ich hatte schon Angst abends ins Bett zu gehen, hatte Angst vor dem Gefühl keine Luft zu bekommen und zu ersticken… Zu ersticken muss wohl der schreckliste Zustand sein, den man sich vorstellen kann. Zumindest den ICH mir vorstellen kann.

Unser Hausarzt diagnostizierte dann eine leichte Lungenentzündung… Er verschrieb mir sämtliche Hämmer, die man sich für diesen Zustand vorstellen kann. Ich nahm nichts davon und setzte mich mit unserer Heilpraktikerin in Verbindung. Zum Glück schaffte sie es dann mit Globuli, mich langsam zu stabilisieren.

Fast zwei Wochen nach der Reise hatte ich noch das Gefühl, dass mein Körper zwar wieder in Anzing ist (wenn auch nicht völlig in Ordnung), meine Seele aber immer noch zwischen Indien, Nepal und Tibet umherschwirrte.

Auch wenn ich so langsam nachts wieder schlafen konnte, kam (und kommt) die Atemnot immer mal wieder zurück. Gemeinsam mit unserer Heilpraktikerin sind wir immer noch auf der Suche, herauszubekommen, was genau mir “den Atem verschlagen” hat.

Fast jede Nacht träume ich von Indien, Nepal oder Tibet. Vielleicht bekomme ich ja nun Klarheit, wenn ich nun doch mal alles aufschreibe:

Geendet habe ich mit meinem letzten Bericht in Shigatse, in diesem grauenhaften Hotel mit Namen Everest Friendship Hotel. Nicht erwähnt habe ich jedoch die wunderbare Fahrt von Lhasa über Gyantse nach Shigatse. Hinter jeder Kurve offenbarte sich erneut eine faszinierende, atemberaubende Naturkulisse. Wir überquerten mehrere Pässe und machten zum ersten Mal Erfahrungen mit Höhenlagen von 5.200 und 5.300 Metern. Zum Teil wirkt alles so surreal, dass man glauben könnte zu träumen.

 

 

Überall auf den Pässen (aber auch in Klöstern, Stupas, etc.) findet man die Tibetischen Gebetsfahnen in den Farben blau, weiß, rot, grün und gelb. Jede Gebetsfahne ist mit buddhistischen Motiven, Texten und Mantras bedruckt und steht für die 5 Elemente (Luft, Erde, Feuer, Wasser und Raum) und die Himmelsrichtungen. Durch den Wind sollen diese Gebete in die Welt getragen werden. Mit der Zeit lösen sich die Gebetsfahnen auf, das ist aber auch gewünscht, damit der Segen in die 5 Elemente übergehen kann.

 

 

Ich habe noch nie solche Farben gesehen, wie in Tibet – unglaublich. Durch die  klare und reine Luft wirken die Farben  noch viel intensiver, ohne Dunst, ohne Einschränkung strahlen sie unvergleichlich in die Natur.

In Shigatse verbrachten wir zwei Nächte auf 3.900 Metern in diesem – wie gesagt – fürchterlich dreckigen Hotel in Shigatse. Durch unsere Reisen sind wir ja vieles gewohnt und auch wirklich nicht sonderlich anspruchsvoll. Ganz selten übernachten wir in Hotels, in der Regel geben wir uns mit einfachen, aber in der Regel sauberen, Guesthouses zufrieden. Aber was da Everest Friendship Hotel uns präsentierte war einfach unglaublich.

Der Teppichboden des Zimmers war noch nie gesaugt und war übersäht mit schwarzen Haaren, aus denen man locker eine Perücke hätte knüpfen können. Das Bett war nicht frisch überzogen und wies noch die Spuren diverser Vorschläfer auf. Erst auf unsere Bitte (was nicht einfach war, da das Personal kein Wort englisch sprach und wir erst einen Übersetzer auf der Straße suchen mussten) bekamen wir neue Bettwäsche (sicherheitshalber ging ich in die Wäschekammer mit um zu schauen, ob wirklich alles sauber war). Als wir aber die Matratze darunter sahen, kam ein leichtes Ekel-Gefühl hoch und wir beschlossen trotz sauberer Bettwäsche unsere eigenen Bettlaken und Schlafsäcke zu nutzen.

Die Toilettenspülung ging die meiste Zeit nicht und warmes Wasser kam nur, nachdem man das Wasser ca. 20 Minuten laufen lies und auch dann nur in einem kleinen Strahl. Zum Glück hatten wir einen Wasserkocher und genügend Mineralwasser. Mit diesem angewärmten Wasser wuschen wir Körper und auch die Haare, da an Duschen gar nicht zu denken war. Da auch in diesem Zimmer keine Heizung war, ging die Temperatur im Laufe der Nacht auf gefühlte 10 °C runter. Damit unsere Schlafanzüge für die Nacht nicht zu kalt war, erwärmten wir sie mit einer Wärmflasche in unseren Schlafsäcken. Erst als die Wäsche angewärmt war, zogen wir uns um.

Als wir am nächsten Tag mit Hilfe unseres tibetischen Guides versuchten mit den Mitarbeitern über die Sauberkeit in den Räumen zu sprechen, ernteten wir nur totales Unverständnis. Scheinbar haben die Tibeter eine komplett andere Vorstellung von Service und Sauberkeit.

Das mit der Sauberkeit – oder eher fehlenden Sauberkeit – begegnete uns auch immer wieder in Restaurants. Die aufgelegten Plastiktischdecken wurden scheinbar nie gewischt und zeigten alle Essensreste der vorigen Gäste. Und da kann bei den Tibetern eine ganze Menge zusammenkommen, da bei ihren Essensgewohnheiten mehr auf den Tisch fällt, als im Mund landet. Dabei könnten die Restaurants soo gemütlich sein, mit dem vielen tibetischen Schnickschnack und den kleinen Teppichen auf den Bänken:

 

Am ersten Tag und zweiten Tag waren wir ganz mutig, was das Essen anging. Auf dem vorletzten Bild gab es Yak-Fleisch für Helmut und typisch tibetisches Gemüse und  Suppe für mich. Auf dem untersten Bild versuchte ich sogar einmal das Nationalgericht: Tsampa und Buttertee (Tsampa ist ein gemahlenes Getreide, das mit Butter, Milch oder Yoghurt zu einem Teig geknetet wird und mit Buttertee gemischt, zu einer sehr nahrhaften und sättigenden Mahlzeit wird). In den Thermoskannen wird am Tisch immer Buttertee und Milchtee bereit gestellt. Tsampa und Buttertee versuchte ich jedoch nur einmal. Tage später war es mir noch so schlecht, dass ich ab diesem Zeitpunkt nur noch Ingwerwasser und Fried Rice bestellte. Und wir aßen französische Brioche, chinesische Mini-Törtchen und Snickers. Diese Ernährung war wohl nicht ganz gesund, aber unser immer größer werdendes Ekelgefühl erlaubte nichts anderes mehr…

Wir hingen also in dem nicht ganz so schönen Hotel in Shigatse, bereits am ersten Abend waren wir frustriert und demotiviert. Wir saßen mit Mütze und unseren Wärmflaschen in unseren Schlafsäcken, sahen die Bilder des Tages an und überlegten ernsthaft, was wir tun sollten. Eigentlich wollten wir am liebsten die Tour canceln und schnellstmöglich zurück nach Kathmandu kommen. Aber auf der anderen Seite wollten wir Tibet nicht verlassen, ohne den Mount Everest und das Base-Camp gesehen zu haben. Aber noch zwei Nächte auf 4.300 Meter Höhe und dann noch eine Nacht in der Nähe des Base Camp auf 5.300 Meter zu verbringen, konnten wir uns nun gar nicht vorstellen. Klar war, dass es immer kälter werden würde, je höher wir kommen. Meine Erkältung war eh schon relativ heftig und ich hatte Angst, dass es noch schlimmer würde und ich dann mit verstopfter Nase noch weniger Luft bekommen würde.

Wir beschlossen die Tour um einen Tag zu kürzen. Wir wollten nicht am Base-Camp übernachten, sondern von Old Tingri frühmorgens zum Base Camp fahren und dann am gleichen Tag weiter bis zur Grenze nach Nepal. Der Grenzort lag dann nur noch auf 2.300 Meter, so dass wir deutliche Entlastung spüren würden und endlich mal wieder gut schlafen könnten.

Mit dieser Entscheidung ging es uns nun viel besser und wir machten uns einen gemütlichen Abend bei Kerzenlicht, Törtchen und Räucherstäbchen.

Mein tägliches Yogaprogramm musste ich in Shigatse aufs Bett verlegen, da ich meine Yogamatte nicht auf den dreckigen Fußboden legen wollte. Aber auch das ging wunderbar. Ich machte einfach alle liegenden und sitzenden Übungen, praktizierte mein tägliches Pranayama, mein Entspannungs-Yoga-Nidra und fand sogar noch die Zeit zu meditieren.

Ich hatte noch nie so ein großes Bedürfnis zu Entspannen und zu meditieren. Die Spiritualität in Tibet steckte mich einfach an. Und ich spürte, wie ich täglich gelassener und ruhiger wurde, trotz der doch sehr extremem Rahmenbedingungen.

Die Tage waren angehem warm und sonnig. Das Hihglight in Shigatse ist das Tashilhunpo Kloster, eines der größten Klöster Tibets und eines, das nicht von den Chinesen zerstört wurde. Dort findet man viele Häuser für die Mönche, diverse Gebetshallen, die Gräber vieler Dalai Lamas und Panchen Lamas. Außerdem befindet sich hier der größte Maitreya Buddha mit über 26 m. Es gibt verschiedene Buddhas – den Buddha der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft, den Buddha des langen Lebens, Buddha der Gesundheit usw. Maitreya ist der Buddha der Zukunft und gilt als der kommende Weltlehrer. Der Wortstamm Maitri bedeutet universale Liebe, Güte, Freundschaft oder Freundlichkeit. Mich hat dieser Buddha immer wieder fasziniert. Und das lässt doch wirklich hoffen, wenn der zukünftige Weltenlehrer noch mehr Liebe, Güte, Freundschaft und Freundlichkeit in die Welt bringt…

Maitreya Buddha im Tashilhunpo-Kloster, Shigatse, 26,2 m hoch

Maitreya Buddha im Drepung-Kloster, Lhasa

 

Da man in jedem Kloster im die selben Buddhas und Figuren findet, wird es irgendwann einmal sehr anstrengend. Die düsteren Gebetshallen und Götterzimmer sowie der allgegenwärtige Geruch der Butterlampen lullte uns zwar immer mehr in die Spiritualität des tibetischen Buddhismus, wurde uns jedoch im Laufe der Zeit einfach zuviel.

Als Opfergabe füllen die Pilger in Thermoskannen mitgebrachte Butter in die Butterlampen in den Klöstern.

 

Wir genossen es daher sehr, dass es am nächsten Tag weiter ging Richtung Old Tingri und Mount Everest und wir wieder viele Pässe und Natur pur genießen konnten.

 

Wir waren vollkommen überwältigt von der Schönheit aber auch der Kargheit des Landes. Und dann, nach einem sehr hohen Pass lag er endlich vor uns: der Mount Everest – ohne Worte!!

Bei dem Anblick des höchsten Berges der Welt waren dann alle Strapazen sehr schnell vergessen und die Aufregung, ihn am nächsten Tag aus nächster Nähe bewundern zu können stieg ins Unermessliche.

Angekommen in Old Tingri fuhr uns unser Fahrer Tensi in unser neues Nacht-Domizil. Dort traf uns jedoch fast der Schlag. Wir sind ja wirklich einfache Zimmer gewöhnt, aber das ging gar nicht. Ein Raum mit ca. 10 m², mit zwei Pritschen mit extrem dünnen Auflagen, einer kleinen Glühbirne von der Decke kommend, ohne WC, ohne Steckdose, ohne Wasser. Um die Toilette zu erreichen, musste man den Hof überqueren, zu einem Plumpsklo. Nicht vorstellbar, bei Temperaturen im Minusbereich, vor allem nachts… Und ohne Wärmflasche ins Bett zu gehen, war für uns bei der Kälte auch nicht mehr vorstellbar (ich frage mich immer, wie Herr Messmer oder alle anderen Bergsteiger das aushalten…).

Wir weigerten uns also hier zu übernachten und baten unseren Guide ein anderes Hotel anzufahren. In meinem Foto-Guide (wir durften unseren Tibet-Führer ja nicht nach Tibet mitnehmen. Die Chinesen konfiszieren alle alle Bücher die von Tibet handeln sofort. Zum Glück wussten wir das, fotografierten die wichtigsten Seiten und ließen das Buch in Nepal) hatte ich über das beste Hotel des Ortes gelesen und da wollten wir dann hin.

Und so sah das 1. Haus am Platz von Außen aus, die Blechtüren gingen zu den Zimmern:

Uns stockte der Atem…

Das Zimmer selbst sah dann aber sehr ordentlich und vor allem sauber aus.

Zum Glück gab es ein Bad und WC im Zimmer, aber leider ohne fließend Wasser. Dies wurde uns in großen Eimern frisch aus dem Brunnen geholt aufs Zimmer gestellt.

Und Strom hatten wir nur abends zwischen 20:00 Uhr und 23:00 Uhr… das reichte uns aber um die Kamera-Akkus wieder aufzuladen und uns mindestens 2 x eine Wärmflasche mit unserem Wasserkocher zu befüllen.

Der Blick war dann aber das Großartigste, was wir jemals in einem Hotel genießen konnten: wir schauten sogar aus unserem Fenster direkt auf den Mount Everest und den Mt. Cho Oyu, einem weiteren 8-Tausender.

Schnell merkten wir aber in diesem Hotel und in unserem Zimmer, dass es hier auf 4.300 m nachts noch kälter war. Meine Yogaübungen machte ich erstmalig in Skiunterwäsche, mit Mütze und Schal, da ich auch nach dem Sonnengruß nicht wirklich aufgewärmt war. Bei einer Innentemperatur von gefühlten 5 ° C war das aber kein Wunder…

Die Nacht war dann die kälteste Nacht in meinem Leben. Irgendwann war unsere Wärmflasche kalt, aber wir konnten uns keine neue mehr mit heißem Wasser füllen, da gegen 23 Uhr der Stromgenerator abgestellt wurde und es  keinen Strom mehr gab. Wir mummelten uns in unsere Schlafsäcke und verschlossen sie, dass nur noch die Augen und die Nase herausschaute. Erstaunlicherweise schlief ich sogar ganz gut, aber wachte dann leider auf, und spürte, dass es mir immer kälter wurde. Ich hatte wirklich Angst, da ich spürte, dass dies meiner Erkältung gar nicht gut tat. Ich begann zu beten. Ich betete die ganze Nacht, dass ich gesund werden würde und dass ich gut und heil wieder in Deutschland landen würde (ich bin heute sehr dankbar, dass meine Gebete erhört wurden und ich zumindest gut nach Deutschland gekommen bin und dort behandelt werden konnte).

Am nächsten Morgen ging es dann in aller Frühe Richtung Rongbuk Monastery und Mount Everest Base Camp. Es war noch dunkel, als wir starteten. Sehr dunkel – und damit meine ich nicht draußen. Da wir noch keinen Strom im Zimmer hatten, mussten wir uns mit Kerzen und Stirn-Taschenlampen behelfen und mussten natürlich sehr aufpassen, dass wir nichts in der Dunkelheit vergaßen.

Dann um 6:30 Uhr ging es endlich los. Schon bald verließen wir die gut ausgebaute Straße und fuhren auf einen Feldweg. Mir war vollkommen schleierhaft, wie unser Fahrer den Weg ohne Karte, ohne Navi in der Dunkelheit finden konnte. Denn da war weder Straße, noch erkennbarer Weg. Da war nur Schotter, ein Flußbett, einige Brücken über das Flussbett, Schotter, Schotter, Schotter… Aber Tensi fuhr sicher seinen Weg und man hatte das Gefühl, dass er wusste, was er tat. Ewig lange fuhren wir durch die Dunkelheit, die Natur konnten wir nur ahnen. Gegen 8:30 Uhr begann es endlich zu dämmern und langsam ging die Sonne hinter den Bergen auf.

Es war wunderschön, was sich uns Minute für Minute offenbarte: totale Wildnis, Mondlandschaft, schneebedeckte Berge, die mittlerweile alle um die 6.000 bis 8.000 Meter hoch waren, nahezu unberührte Natur.

Nach gut 3 Stunden und 80 km waren wir dann endlich angkommen. Vorbei am Ronbuk-Kloster ging es zum Mount Everest North Base Camp auf 5.545 m (es gibt noch ein Süd-Base-Camp in Nepal über das der Mount Everest über die Südseite bestiegen wird). Da der Mount Everest im Winter selten über die Nordseite bestiegen wird, war das Base-Camp leer und wirkte verloren und ausgestorben. Aber das war uns egal. Näher werden wir dem höchsten Berg der Welt wohl nie wieder kommen…

Gerne hätten wir diesen magischen Ort noch länger genossen, aber bei – 20 °C und einem sehr kalten Wind, zog es uns sehr bald wieder zum Auto. Es würde noch Stunden dauern, bis die Sonne hinter dem Berg hervorkam und das Base-Camp etwas wärmen würde.

Und leider hatten wir ja noch einen nicht zu unterschätzenden Weg vor uns, so dass ein langer Aufenthalt leider nicht möglich war. Ich sog die Atmosphäre so gut es ging in mich auf und konnte es kaum glauben, dass ich tatsächlich hier an einem der höchsten Punkte der Welt stand (ehrlich gesagt kann ich es auch heute noch nicht glauben, auch wenn ich die Bilder sehe…).

Mit dem Jeep ging es zurück zum Rongbuk-Kloster. Hier kam zum Glück schon die Sonne hin, so dass es zumindest in der Sonne einigermaßen zum Aushalten war. Auch wenn das Kloster extrem einfach und runtergekommen wirkt, so war der Blick von hier einer der schönsten, die ich jemals gesehen habe. Und die Ruhe… unglaublich. In diesen Höhen hört man noch nicht mal Vogelgezwitscher oder das Rauschen von Bäumen. Es ist absolut still, Ruhe pur!

 

Wenn ich die Bilder so anschaue, bekomme ich eine Gänsehaut und so langsam wird mir klar, was mir so den Atem verschlagen hat.

Noch am gleichen Tag ging es über den Friendship-Highway Richtung Grenze zu Nepal, vorbei an diversen kleinen tibetischen Örtchen, bizarren Brücken, Nomaden, schneebedeckten Bergen, zugefrorenen Flüssen, hohen Pässen, vorbei an einem weiteren 8-Tausender, dem Shishapangma.

Wir genossen diese Eindrücke noch mal sehr, freuten uns aber unglaublich, wieder in “normale” Verhältnisse zu kommen. Wir freuten uns auf die Wärme und vor allem auf das gute Essen in Kathmandu. Als erstes wollte ich unbedingt abends zu unserem Lieblings-Italiener und mal richtig lecker Nudeln essen.

Aber bis dahin lagen noch einige Kilometer, viele Stunden und grottenschlechte Straßen vor uns.

Die Nacht verbrachten wir in Zhangmu, einem Ort nahe der nepalesischen Grenze. Der Ort ist ein richtiger Grenzort, außer chaotischem Auto- und LKW-Verkehr hat der Ort nichts zu bieten. Vorbei war es mit der Ruhe, die wir in den letzten Tagen in der Hochebene genossen haben.  Aber das war uns egal, so langsam mussten wir uns ja an das Chaos gewöhnen, das uns in Kathmandu und einige Tage später in Delhi erwartete und außerdem war es warm und wir konnten auf 2.300 m wieder deutlich besser atmen.

Wir schliefen unglaublich gut und erfreuten uns an der Wärme im Zimmer, dem fließenden warmen Wasser und einer funktionierenden Toiletten-Spülung.

Am nächsten Tag galt es Abschied nehmen von Dockpa und Tensi unseren Reisebegleitern. Es waren wirklich nette Kerle, mit denen wir uns wirklich wohl gefühlt haben. Die Grenzkontrolle war eher unkompliziert und schon ging es über die Friendship-Brigde rüber nach Nepal. Auf der Brücke und dahinter herrschte ein totales Chaos. Wir hatten keine Ahnung, wie wir in diesem Gewusel unseren Freund Dorjee finden sollten, der uns abholen und nach Kathmandu bringen wollte.

Gott waren wir froh, als er dann plötzlich vor uns stand. Er begleitete uns durch die Immigration und los ging es Richtung Kathmandu. Etwas merkwürdig war für uns, dass wir plötzlich unsere Uhren um 2 1/4 Stunden zurückstellen mussten. In Tibet gilt die Chinesische Zeit und Nepal hat auch seine eigene Zeitzone.

Good bye Tibet and welcome in Nepal.

Wir schauten noch einmal zurück, zurück zu einem Land das uns ein so großes Abenteuer beschert hatte, das uns so an unsere Grenzen gebracht hat, das uns mit unglaublichen Gegensätzen etwas verwirrt hat und das uns Bilder/Eindrücke geschenkt hat, die wir wohl nie wieder vergessen werden. Unser erster Impuls war:

NIE WIEDER TIBET – jedenfalls nicht gleich…

Puh, nun ist es auf dem Blatt. Beim Schreiben kam es mir vor, als ob wir 6 Wochen in Tibet gewesen sind. Kaum zu glauben, dass es nur 8 Tage waren…

Ich hoffe, dass ihr durch meinen Schilderungen einen kleinen Eindruck von Tibet gewinnen konntet. Sollte jemand von euch ebenfalls Erfahrungen in Tibet gesammelt haben, würde ich mich über eine Nachricht, einen Kommentar sehr freuen.

Tibet lässt mich nicht los, es hat sich in mein Herz gebrannt. Ich lese gerade alles, was ich über dieses Land in die Hände bekomme und vielleicht werden wir ja doch noch mal nach Tibet fahren :-) We will see!!

In diesem Sinne grüße ich euch herzlich.

Eure Sabine

Post to Twitter tweet this Post to Facebook Teile in Facebook

14. November bis 18. November

 

Liebe blog-Leser,

 

seit bereits 5 Tagen sind wir in Tibet. Momentan sitze ich auf dem Bett in einem fürchterlich schmuddeligen Hotel in Shigatse und lasse mir die Sonne durchs Fenster auf den ausgekühlten Körper scheinen. Ich versuche meine Erlebnisse, Gefühle, Eindrücke der letzten Tage in Gedanken und dann in Worte zu fassen, doch es fällt mir wirklich sehr schwer.

Zum Einstieg kurz auf den Punkt gebracht: Tibet ist genauso faszinierend, wie ich es mir vorgestellt habe, nur noch deutlich härter!!

Die Natur ist einzigartig, die Klöster, Paläste und Tempel sind voller Spiritualität und -zum Teil auch sehr devot- gelebtem Buddhismus, die chinesische Präsenz ist wirklich so gegenwärtig, wie wir das in den Medien erfahren und die Übernachtungsmöglichkeiten sind extrem einfach, so wenig auf Tourismus ausgelegt, dass es schon grenzwertig ist, dafür aber viel zu teuer.

Was uns aber am meisten beschäftigt ist die Höhe und die Kälte. Bevor ich in Lhasa ankam, wusste ich nicht wirklich, was Atemnot ist. Nun weiß ich es. Die erste Nacht konnte ich so gut wie gar nicht schlafen, da ich einfach nicht genug Luft bekam und panisch anfing zu hecheln. Ab dem zweiten Tag begann ich dann täglich Pranayama (Kapalabhati und Anuloma Viloma) durchzuführen und nahm abends ein Globuli Coca, das uns unsere Heilpraktikerin empfohlen hat. Durch das Atemtraining, Coca und viele Yoga-Nidra-Einheiten zum Entspannen wurde es dann langsam besser. Mittlerweile bekomme ich sehr gut Luft und kann auch nachts ohne Globuli schlafen. Was jedoch immer noch unglaublich ist, ist die Reaktion auf ein wenig Belastung, wie Treppensteigen oder Paläste besichtigen. Es ist so verdammt anstrengend und wir schnaufen nach einigen Minuten wie untrainierte, alte Leute. Helmut geht es komischerweise in dieser Hinsicht noch etwas schlechter als mir, obwohl er eine deutlich bessere Kondition hat. Ich führe meine bessere Anpassung auf mein tägliches Yoga, vor allem die täglichen Atemübungen und meine vielen Fasten- und Entschlackungskuren zurück. Es ist schon unglaublich, was diese Höhe (Lhasa liegt auf 3650 m, Shigatse auf 3900 m) mit dem menschlichen Körper macht. In erster Linie entschlackt und entgiftet man nämlich sehr stark, da das Blut basisch wird. Dies führt dann zu diversen Symptomen, wie Kopfschmerz, Schwindel, Schlaflosigkeit, etc. In einem anderen Beitrag werde ich später mal genauere Infos zu den Abläufen im Körper geben und warum Yoga bei Höhenkrankheit Besserung bringen kann.

Ich habe jedenfalls größten Respekt vor Menschen, die hier in Tibet auf dieser Höhe oder noch höher dann auch noch Rad fahren oder klettern!!!

So nun aber zur zweiten Herausforderung, die wir wirklich vollkommen unterschätzt haben: die Kälte. Wir dachten, wenn wir aus Bayern kommen, also Kälte erprobt sind, mit unserer Skiunterwäsche, warmen Klamotten und Schlafsäcken ausgerüstet, dann wird das schon alles passen. Pustekuchen… Als erstes haben wir eine Wärmflasche, ein Thermoskanne und einen Wasserkocher gekauft und werden heute noch eine zweite Wärmflasche kaufen, da mittlerweile abends jeder eine eigene Wärmflasche mit ins Bett nehmen will…

Tagsüber kann es hier in Tibet wirklich total warm werden, in der Sonne fühlt es sich manchmal wie 25 °C an, im Schatten sind es dann aber nur geschätzte 5 ° C und nachts Minusgrade. Die Herausforderung ist, dass kein Hotel, kein Guesthouse und nur wenige Restaurants Heizung haben und die Fenster und Wände sind so schlecht isoliert, dass es extrem kalt reinpfeifft. In den Restaurants findet man dann häufig Heizschwammerl, wie sie bei uns in Biergärten stehen.

Alleine der Flug nach Lhasa, Tibet war ein unglaubliches Erlebnis. Vorbei an 5 8-Tausendern, darunter dem Mount-Everest mit tollem Blick auf die Landschaft Tibets.

Begonnen hat unser Tibet-Abenteuer in Lhasa – Stadt der Göttter, am Fluss Kyi Chu (Glücksfluss) gelegen. Und jeder, der mal den Film „Sieben Jahre Tibet“ gesehen hat, hat bei Lhasa ganz konkrete Bilder im Kopf. Vor allem von dem Potala Palace, dem Winter-Sitz des Dalai Lamas. Und dieser ragt tatsächlich faszinierend über Lhasa. Im Unterschied zum Film sind unterhalb des Palastes zum Teil so richtig hässliche China-Bunker entstanden.

Potala Palace, Wintersitz des Dalai Lama, Lhasa Tibet

 

Den Palast zu besteigen war jedoch eine Tortur… 125 Stufen!!! Noch nicht richtig akklimatisiert kam uns der Aufstieg wie viele 100 m-Läufe vor. Grauenhaft. Manchmal wollte sich mein Kreislauf total verabschieden. Aber irgendwie ging es nach einer kleinen Pause immer wieder. Und trotz aller Strapazen: es hat sich gelohnt!! Der Wintersitz des Dalai Lama. In meiner Phantasie sah ich den Dalai Lama in diesen Räumen wandeln, in den Zimmern meditieren und in der Halle Gäste empfangen. Schade, dass der Geist des Dalai Lama nur in meiner Phantasie diese Räume hier beseelt, in Wirklichkeit aber viele tausende Kilometer entfernt von seiner Heimat

Der mit Abstand spirituellste Ort war für mich der Joghang-Tempel in der wirklich tibetisch ausschauenden Altstadt Lhasas (wurde nach der Zerstörung der Chinesen jedoch komplett neu aufgebaut, aber im alten Stil). Die Altstadt wirkt zwar sehr duster und riecht überall nach ranzigen Butterkerzen, wird jedoch lebendig durch die unglaublich vielen Pilgern, die den Joghang-Tempel (Inner Circle) im Uhrzeigersinn umrunden, als Zeichen ihres Glaubens. Manche tun dies sogar, indem sie sich immer wieder lang auf den Boden werfen und dann eine Körperlänge weitergehen. Überall hörte man das Tibetische-Ur-Mantra „OM MANI PADME HUM“. Jeder murmelte es vor sich hin. In Tibet können die Babys bereits dieses Mantra, bevor sie das erste Wort sprechen können.

Jokhang Tempel, Lhasa Tibet

Pilger aus ganz Tibet mit ihren Gebetsmühlen im Inner-Circle, dem Pilgerweg um den Jokhang-Tempel

 

 

Stark beeindrucken uns immer wieder die Gesichter der Tibeter… die Haut faltig, von der Sonne gegerbt und in verschiedenen traditionellen Kleidern. Jedem einzelnen sieht man sein sehr hartes Leben hier am Dach der Welt an.

 

Mich inspiriert die Spiritualität der Tibeter sehr. Ich habe noch nie so viele verschiedene Buddhas und Boddhisatvas und andere Heilige gesehen, wie hier bei den Besichtigungen. Und ich spüre überall diesen sehr friedlichen und reinen Glauben des Buddhismus.

Ich spüre, dass ich immer mehr das Bedürfnis bekomme zu meditieren und mich in diese hohe Energie der Pilger einzuklinken.

Gerade habe ich begonnen ein wunderbares Buch zu lesen, was mich einer Form der buddhistischen Meditation näher bringen soll: „Die Praxis der Achtsamkeit – Eine Einführung in die Vipassana-Meditation“, geschrieben von Mahathera Henelpola Gunaratana.

Das Buch ist wirklich unglaublich interessant und informativ und ich möchte gerne einige Auszüge mit euch teilen:

„Es gibt eine enorme Zahl verschiedener Richtungen innerhalb des Buddhismus. Aber sie teilen sich in zwei breite Gedankenströme – Mahayana und Theravada. Der Mahayana-Buddhismus ist vorherrschend in Ostasien, prägt die Kulturen Chinas, Koreas, Japans, Nepals, Tibets und Vietnams. Das am weitesten bekannte Mahayana-System ist ZEN. […] Das Theravada-System ist weit verbreitet in den süd- und südostasiatischen Ländern Sri Lanka, Thailand, Burma, Laos und Kambodscha.

Der Buddhismus widmet sich zwei bedeutenden Typen von Meditation. […] Im Pali, der Originalsprache der Theravada-Schriften, werden sie Vipassana und Samatha genannt. Vipassana kann als „Einsicht“ übersetzt werden, eine klare Bewusstheit davon, was im Augenblick vor sich geht, während es geschieht. Samatha kann übersetzt werden als „Konzentration“ oder „Ruhe“. Es ist ein Zustand, in dem der Geist zum Stillstand gebracht, nur auf einen Gegenstand gerichtet wird und nicht umherwandeln darf. Wenn man dies erreicht hat, durchdringt eine tiefe Ruhe Körper und Geist, ein Zustand von Gelassenheit, den man erfahren muss, um ihn verstehen zu können. Die meisten Meditationssysteme betonen die Samatha-Komponente. Der Meditierende konzentriert seinen Geist auf Objekte, wie ein Gebet (Mantra), eine bestimmte Art von Kästchen, Gesang, eine Kerzenflamme, ein religiöses Bild oder was auch immer, schließt alle anderen Gedanken und Wahrnehmungen aus seinem Bewusstsein aus. (Anmerkung der Verfasserin: Diese Methode ist gerade für uns „Westler“ nur mit großer Übung und viel Geduld zu praktizieren). […]

Die Vipassana-Meditation spricht die andere Komponente an: die Einsicht. In der Vipassana-Praxis benutzt der Meditierende seine Konzentration als Werkzeug, mi dem seine Bewusstheit die Wand der Illusion niederreißen kann, die ihn vom lebendigen Licht der Realität abschneidet. […]

Dieses Buch ist eine Einführung zur Erlangung von Achtsamkeit durch reine Aufmerksamkeit auf den ganzen Atmungsprozess und durch dessen klares Verstehen. Während der Meditierende den Atem als primären Brennpunkt der Aufmerksamkeit benutzt, wird er zum teilnehmenden Beobachter des gesamten Universums seiner eigenen Wahrnehmung. Er lernt Veränderungen zu beobachten, die sich in allen physischen Erfahrungen ereignen, in Gefühlen und in Wahrnehmungen. Er lernt seine eigenen geistigen Aktivitäten zu erkunden und die Schwankungen im Charakter des Bewusstseins selbst. […]

Der Dhammapada ist ein alter buddhistischer Text, der Freud Tausende von Jahren vorausging. Er sagt: „Was du bist, ist das Resultat von dem, was du warst. Was du morgen sein wirst, wird das Ergebnis dessen sein, was du jetzt bist. Die Konsequenzen eines bösen Geistes werden dir folgen, wie der Wagen dem Ochsen folgt, der ihn zieht.“

Meditation zielt darauf, den Geist zu läutern. Sie reinigt den Gedankenprozess von dem, was man „psychische Irritationen“ nennen kann, Dinge wie Gier, Hass und Eifersucht, Dinge, die Sie in emotionale Knechtschaft verwickelt halten. Sie bringt den Geist in ein Stadium von Ruhe und Bewusstheit, ein Stadium von Konzentration und Einsicht. […]

Ihr Geist wird still und ruhig. Und ihr Leben glättet sich. So bereitet Meditation – richtig ausgeführt – Sie darauf vor, dem Auf und Ab des Lebens zu begegnen. Sie reduziert Ihre Anspannung, Ihre Angst und Ihre Besorgnis. Unruhe verschwindet und Leidenschaft mäßigt sich. Die Dinge fangen an sich zu ordnen und Ihr Leben wird ein Gleiten statt eines Kampfes. […]

Ein erfahrener Meditierender hat ein tiefes Verständnis für das Leben gewonnen, und folglich begegnet er der Welt mit tiefer und unvoreingenommener Liebe.

Auszug aus: „Die Praxis der Achtsamkeit – eine Einführung in die Vipassana-Mediation“

Ein sehr spannendes Thema. Dann werde ich mich in den nächsten Tagen/Wochen mal regelmäßig hinsetzten und Meditation üben… Und wo könnte ich besser beginnen als in Tibet – dem Dach der Welt.

 

Herzlichst

Eure Sabine

 

 

Post to Twitter tweet this Post to Facebook Teile in Facebook

10. bis 12. November 2011

 

Lieber blog-Leser,

 

Und weiter geht unsere Reise. Unser nächstes Ziel ist Kathmandu, Nepal. Bereits der Flug von Delhi nach Kathmandu ist ein Erlebnis. Man fliegt die ganze Zeit am Himalaya entlang und kann zum ersten Mal die beeindruckende Pracht der vielen über 6tausender genießen.

Angekommen am Flughafen in Kathmandu nahm uns Dorjee in Empfang und schenkte uns einen nepalesischen Schal. Dorjee ist der „Patensohn“ von deutschen Bekannten von uns, die 4 Monate im Jahr in Kathmandu leben. Dorjee ist ein Sherpa (Sherpas sind eine ethnische Gruppe in Nepal, die um 1500 n. Chr. aus Tibet nach Nepal einreisten – fälschlicherweise verbindet man heute mit Sherpas nur die Lastenträger bei Expeditionen) war so freundlich und hat unsere bevorstehende Tibetreise organisiert.

Es war schön mal wieder in Kathmandu zu sein. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und endlich sahen wir einige schneebedeckte Berge. Beim letzten Mal, im April letzten Jahres, war es die ganzen 2 Wochen so dunstig, dass wir kein einziges Mal die Berge des Himalayas klar sehen konnten.

Es hat sich unglaublich viel in Kathmandu getan. Wir hatten das Gefühl, dass weniger Verkehrschaos herrschte, die Straßen sauberer sind und viele Gebäude renoviert wurden. Oder aber empfinden wir das nur so, weil wir gerade aus dem noch einfacheren Indien kommen?

Nepal ist im Vergleich zu Indien deutlich touristischer und für unsere Verhältnisse entwickelter. Zumindest die größeren Städte Kathmandu und Pokhara. Man trifft natürlich auf viel mehr Touristen, aus aller Welt, die von den Nepalis mit allem versorgt werden, was sie sich wünschen: westlichen Restaurants, Alkohol (in Indien bekommt man Bier, Wein, etc. nur in ganz wenigen (geheimen) Shops), mit Mineralwasser gewaschene Früchte und Salate (also auch für uns zu essen, ohne gleich Montezumas Rache zu spüren), tollen Supermärkten, mit allen Produkten, die man sich wünscht. Dafür ist aber alles deutlich teurer als in Indien.

Das Phänomenale an Nepal ist die unglaubliche Herzlichkeit, Offenheit und Toleranz der Menschen. Die Inder sind auch sehr freundlich, aber die Nepalesen sind wirklich herzlich, lächeln immer und sie akzeptieren wirklich alles und jeden aus vollstem Herzen. Und das ist auch der Grund, warum hier über 100 ethnische Gruppen und verschiedene Religionen (Hinduismus, Buddhismus, Christentum, Islam) ganz friedlich nebeneinander und miteinander leben können. Jeder Nepali fühlt sich ein bisschen Hindu, Buddhist, Christ… Diese Art zu Leben und zu Handeln habe ich bisher in keinem anderen Land erlebt.

Und weil hier alles möglich ist, haben wir in den drei Tagen, die wir mittlerweile hier sind, viele Hindu-Tempel, wunderbare buddhistische Klöster und Stupas und ein katholisches Kloster besucht.

Kleiner Hindu-Tempel in Kathmandu.

Und direkt gegenüber eine buddhistische Stupa:

Kapan Monastery mit dem Meditationsgarten, dem Garten mit Blick auf den Ganesh Himal, der Meditationshalle und den Möchen vor den blühenden Weihnachtssternen:

 

Ganz besonders ist für uns immer der Besuch im St. Mary Convent in Patan (einem Vorort von Kathmandu). Hier lebte 50 Jahre Helmuts Großtante Sister Frances. Sister Frances (oder auch Franziska Parstorfer aus Aham in Niederbayern) verließ mit 20 Jahren in den 30er Jahren ihre Heimatstadt und ging als Ordensschwester erst für 30 Jahre nach Indien und dann den Rest Ihres Lebens nach Nepal. 2006 starb sie mit 91 Jahren und liegt in Godavari, vor den Toren Kathmandus, begraben.

Sister Frances

 

Zu Lebzeiten baute Sister Francis Armenschulen, erst in Indien und ab 1955 auch in Nepal auf, die noch heute den Kindern von der Straße (vor allem Mädchen) die Möglichkeit geben, eine kostenlose Ausbildung zu genießen. Auch werden Weiterbildungsmöglichkeiten für junge Frauen angeboten, z.B. Nähkurse, damit sie durch Näharbeiten ihre Existenz sichern können. Auch eine Gesundheits- und Sozialstation wurde von Spenden in Nepal errichtet. Bereits vor 1 ½ Jahren besuchten wir die Nonnen, die für Sister Francis ja Familie waren und als Verwandte gehören auch wir zu dieser großen Familie. Mit großer Herzlichkeit werden wir immer begrüßt. Besonders gefreut haben wir uns, Sister Angelica in Patan zu treffen, eine auch schon etwas betagtere Nonne, die Sister Francis am besten kannte und heute noch ein paar typische deutsche Worte von Franziska zum Besten geben kann („grüß Gott“ – „geh weiter“ – natürlich bayrisch gefärbt J). Die Kekse, die wir angeboten bekommen, werden immer noch nach dem Rezept von Tante Franziska gebacken.

 

Sister Angelica, Sister Margaret Mary und Helmut

 

Dieses Mal besuchten wir nur die Kinder von der St. Mary School, einer sehr guten Schule, für die die Eltern allerdings bezahlen müssen. Sobald wir aus Tibet zurück sind, werden wir auch die Armenschulen besichtigen. Wir haben seit unserem letzten Besuch in Kathmandu bei diversen Gelegenheiten Spenden gesammelt, die wir gestern den Schwestern überreicht haben. In den Armenschulen wollen wir dann besichtigen, was aus dem von uns und der Nepalhilfe Aham gespendeten Geld entstanden ist. (weitere Infos unter www.nepalhilfe-aham.de)

 

 

Die Schwestern machen wirklich einen tollen Job. Das ist wirklich gelebte Liebe. Ich habe höchsten Respekt vor diesem Engagement unter den manchmal katastrophalen nepalesischen Verhältnissen. Leider gibt es auch hier zu wenig Nachwuchs. Momentan leben in Patan 9 Nonnen, die meisten sind indischer Herkunft. Das Durchschnittsalter würde ich aber mal auf 70 Jahre schätzen… Was aber wird in Zukunft wohl sein, wenn nicht mehr genügend Nonnen dieses Ehrenamt ausüben? Was wird aus den Armenschulen? Wir können alle nur hoffen und beten, dass sich immer genügend Mädchen/Frauen finden, die sich für ein Leben im Kloster entscheiden.

Morgen fliegen wir um die Mittagszeit nach Lhasa. Nach einigen Tage Sight Seeing und Eingewöhnungszeit geht es dann mit dem Jeep über den Himalaya zurück nach Kathmandu. Wir sind sehr gespannt, wie dieses Abenteuer wohl werden wird und wie es uns in Höhen zwischen 3.800 und 5.100 Metern gehen wird…

Da wir sehr sehr einfach reisen, werden wir in den nächsten 10 Tagen keine online-Verbindung nach Deutschland haben. Aber das ist glaube ich auch mal ganz gut so. Die moderne Technik ist zwar wunderbar, weil sie die Welt verbindet (das ist schon super, über Skype meine Eltern zu sehen, obwohl wir fast 7.000 km entfernt sind J ) aber es ist auch ein Fluch, weil man ständig versucht ist deutsche Nachrichten zu lesen, Emails abzurufen und auf Facebook zu schauen, was so zuhause los ist.

Ich werde also die kommenden 10 Tage als mein persönliches Retreat sehen, indem nur wir, die Menschen denen wir begegnen und die Natur eine Rolle spielen.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine wunderbare Zeit. Take care! Bye bye und Namasté!

Eure Sabine

Post to Twitter tweet this Post to Facebook Teile in Facebook

 
Februar 2018
M D M D F S S
« Nov    
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728  
Archive
Kategorien