”Sabine
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Liebe blog-Leser,

lange habe ich mich nun nicht gemeldet, obwohl ich doch schon seit 3 Wochen wieder im Lande bin.

Erstmalig nach einer Reise, konnte ich über das Erlebte nicht so ausführlich reden, wie das normalerweise der Fall ist… Zum Einen hatte ich mir eine Lungenentzündung aus dem Urlaub mitgebracht und zum Anderen hat mich die letzte Reise – vor allem die Zeit in Tibet – so tief beeindruckt, dass ich die Eindrücke und Erlebnisse erst mal selbst für mich ordnen und bearbeiten musste.

Die Reise war so atemberaubend, dass sie mir buchstäblich den Atem geraubt hat. Bereits am letzten Tag vor unserer Heimreise begann meine Atemnot in Delhi. Ich lag die ganze Nacht wach, da ich keine Luft bekam, sobald ich mich in die Horizontale begab. Dieser nächtliche Zustand begleitete mich dann auch in Deutschland eine weitere Woche. Es war grauenhaft – schlaflose Nächte und Müdigkeit am Tag. Ich hatte schon Angst abends ins Bett zu gehen, hatte Angst vor dem Gefühl keine Luft zu bekommen und zu ersticken… Zu ersticken muss wohl der schreckliste Zustand sein, den man sich vorstellen kann. Zumindest den ICH mir vorstellen kann.

Unser Hausarzt diagnostizierte dann eine leichte Lungenentzündung… Er verschrieb mir sämtliche Hämmer, die man sich für diesen Zustand vorstellen kann. Ich nahm nichts davon und setzte mich mit unserer Heilpraktikerin in Verbindung. Zum Glück schaffte sie es dann mit Globuli, mich langsam zu stabilisieren.

Fast zwei Wochen nach der Reise hatte ich noch das Gefühl, dass mein Körper zwar wieder in Anzing ist (wenn auch nicht völlig in Ordnung), meine Seele aber immer noch zwischen Indien, Nepal und Tibet umherschwirrte.

Auch wenn ich so langsam nachts wieder schlafen konnte, kam (und kommt) die Atemnot immer mal wieder zurück. Gemeinsam mit unserer Heilpraktikerin sind wir immer noch auf der Suche, herauszubekommen, was genau mir “den Atem verschlagen” hat.

Fast jede Nacht träume ich von Indien, Nepal oder Tibet. Vielleicht bekomme ich ja nun Klarheit, wenn ich nun doch mal alles aufschreibe:

Geendet habe ich mit meinem letzten Bericht in Shigatse, in diesem grauenhaften Hotel mit Namen Everest Friendship Hotel. Nicht erwähnt habe ich jedoch die wunderbare Fahrt von Lhasa über Gyantse nach Shigatse. Hinter jeder Kurve offenbarte sich erneut eine faszinierende, atemberaubende Naturkulisse. Wir überquerten mehrere Pässe und machten zum ersten Mal Erfahrungen mit Höhenlagen von 5.200 und 5.300 Metern. Zum Teil wirkt alles so surreal, dass man glauben könnte zu träumen.

 

 

Überall auf den Pässen (aber auch in Klöstern, Stupas, etc.) findet man die Tibetischen Gebetsfahnen in den Farben blau, weiß, rot, grün und gelb. Jede Gebetsfahne ist mit buddhistischen Motiven, Texten und Mantras bedruckt und steht für die 5 Elemente (Luft, Erde, Feuer, Wasser und Raum) und die Himmelsrichtungen. Durch den Wind sollen diese Gebete in die Welt getragen werden. Mit der Zeit lösen sich die Gebetsfahnen auf, das ist aber auch gewünscht, damit der Segen in die 5 Elemente übergehen kann.

 

 

Ich habe noch nie solche Farben gesehen, wie in Tibet – unglaublich. Durch die  klare und reine Luft wirken die Farben  noch viel intensiver, ohne Dunst, ohne Einschränkung strahlen sie unvergleichlich in die Natur.

In Shigatse verbrachten wir zwei Nächte auf 3.900 Metern in diesem – wie gesagt – fürchterlich dreckigen Hotel in Shigatse. Durch unsere Reisen sind wir ja vieles gewohnt und auch wirklich nicht sonderlich anspruchsvoll. Ganz selten übernachten wir in Hotels, in der Regel geben wir uns mit einfachen, aber in der Regel sauberen, Guesthouses zufrieden. Aber was da Everest Friendship Hotel uns präsentierte war einfach unglaublich.

Der Teppichboden des Zimmers war noch nie gesaugt und war übersäht mit schwarzen Haaren, aus denen man locker eine Perücke hätte knüpfen können. Das Bett war nicht frisch überzogen und wies noch die Spuren diverser Vorschläfer auf. Erst auf unsere Bitte (was nicht einfach war, da das Personal kein Wort englisch sprach und wir erst einen Übersetzer auf der Straße suchen mussten) bekamen wir neue Bettwäsche (sicherheitshalber ging ich in die Wäschekammer mit um zu schauen, ob wirklich alles sauber war). Als wir aber die Matratze darunter sahen, kam ein leichtes Ekel-Gefühl hoch und wir beschlossen trotz sauberer Bettwäsche unsere eigenen Bettlaken und Schlafsäcke zu nutzen.

Die Toilettenspülung ging die meiste Zeit nicht und warmes Wasser kam nur, nachdem man das Wasser ca. 20 Minuten laufen lies und auch dann nur in einem kleinen Strahl. Zum Glück hatten wir einen Wasserkocher und genügend Mineralwasser. Mit diesem angewärmten Wasser wuschen wir Körper und auch die Haare, da an Duschen gar nicht zu denken war. Da auch in diesem Zimmer keine Heizung war, ging die Temperatur im Laufe der Nacht auf gefühlte 10 °C runter. Damit unsere Schlafanzüge für die Nacht nicht zu kalt war, erwärmten wir sie mit einer Wärmflasche in unseren Schlafsäcken. Erst als die Wäsche angewärmt war, zogen wir uns um.

Als wir am nächsten Tag mit Hilfe unseres tibetischen Guides versuchten mit den Mitarbeitern über die Sauberkeit in den Räumen zu sprechen, ernteten wir nur totales Unverständnis. Scheinbar haben die Tibeter eine komplett andere Vorstellung von Service und Sauberkeit.

Das mit der Sauberkeit – oder eher fehlenden Sauberkeit – begegnete uns auch immer wieder in Restaurants. Die aufgelegten Plastiktischdecken wurden scheinbar nie gewischt und zeigten alle Essensreste der vorigen Gäste. Und da kann bei den Tibetern eine ganze Menge zusammenkommen, da bei ihren Essensgewohnheiten mehr auf den Tisch fällt, als im Mund landet. Dabei könnten die Restaurants soo gemütlich sein, mit dem vielen tibetischen Schnickschnack und den kleinen Teppichen auf den Bänken:

 

Am ersten Tag und zweiten Tag waren wir ganz mutig, was das Essen anging. Auf dem vorletzten Bild gab es Yak-Fleisch für Helmut und typisch tibetisches Gemüse und  Suppe für mich. Auf dem untersten Bild versuchte ich sogar einmal das Nationalgericht: Tsampa und Buttertee (Tsampa ist ein gemahlenes Getreide, das mit Butter, Milch oder Yoghurt zu einem Teig geknetet wird und mit Buttertee gemischt, zu einer sehr nahrhaften und sättigenden Mahlzeit wird). In den Thermoskannen wird am Tisch immer Buttertee und Milchtee bereit gestellt. Tsampa und Buttertee versuchte ich jedoch nur einmal. Tage später war es mir noch so schlecht, dass ich ab diesem Zeitpunkt nur noch Ingwerwasser und Fried Rice bestellte. Und wir aßen französische Brioche, chinesische Mini-Törtchen und Snickers. Diese Ernährung war wohl nicht ganz gesund, aber unser immer größer werdendes Ekelgefühl erlaubte nichts anderes mehr…

Wir hingen also in dem nicht ganz so schönen Hotel in Shigatse, bereits am ersten Abend waren wir frustriert und demotiviert. Wir saßen mit Mütze und unseren Wärmflaschen in unseren Schlafsäcken, sahen die Bilder des Tages an und überlegten ernsthaft, was wir tun sollten. Eigentlich wollten wir am liebsten die Tour canceln und schnellstmöglich zurück nach Kathmandu kommen. Aber auf der anderen Seite wollten wir Tibet nicht verlassen, ohne den Mount Everest und das Base-Camp gesehen zu haben. Aber noch zwei Nächte auf 4.300 Meter Höhe und dann noch eine Nacht in der Nähe des Base Camp auf 5.300 Meter zu verbringen, konnten wir uns nun gar nicht vorstellen. Klar war, dass es immer kälter werden würde, je höher wir kommen. Meine Erkältung war eh schon relativ heftig und ich hatte Angst, dass es noch schlimmer würde und ich dann mit verstopfter Nase noch weniger Luft bekommen würde.

Wir beschlossen die Tour um einen Tag zu kürzen. Wir wollten nicht am Base-Camp übernachten, sondern von Old Tingri frühmorgens zum Base Camp fahren und dann am gleichen Tag weiter bis zur Grenze nach Nepal. Der Grenzort lag dann nur noch auf 2.300 Meter, so dass wir deutliche Entlastung spüren würden und endlich mal wieder gut schlafen könnten.

Mit dieser Entscheidung ging es uns nun viel besser und wir machten uns einen gemütlichen Abend bei Kerzenlicht, Törtchen und Räucherstäbchen.

Mein tägliches Yogaprogramm musste ich in Shigatse aufs Bett verlegen, da ich meine Yogamatte nicht auf den dreckigen Fußboden legen wollte. Aber auch das ging wunderbar. Ich machte einfach alle liegenden und sitzenden Übungen, praktizierte mein tägliches Pranayama, mein Entspannungs-Yoga-Nidra und fand sogar noch die Zeit zu meditieren.

Ich hatte noch nie so ein großes Bedürfnis zu Entspannen und zu meditieren. Die Spiritualität in Tibet steckte mich einfach an. Und ich spürte, wie ich täglich gelassener und ruhiger wurde, trotz der doch sehr extremem Rahmenbedingungen.

Die Tage waren angehem warm und sonnig. Das Hihglight in Shigatse ist das Tashilhunpo Kloster, eines der größten Klöster Tibets und eines, das nicht von den Chinesen zerstört wurde. Dort findet man viele Häuser für die Mönche, diverse Gebetshallen, die Gräber vieler Dalai Lamas und Panchen Lamas. Außerdem befindet sich hier der größte Maitreya Buddha mit über 26 m. Es gibt verschiedene Buddhas – den Buddha der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft, den Buddha des langen Lebens, Buddha der Gesundheit usw. Maitreya ist der Buddha der Zukunft und gilt als der kommende Weltlehrer. Der Wortstamm Maitri bedeutet universale Liebe, Güte, Freundschaft oder Freundlichkeit. Mich hat dieser Buddha immer wieder fasziniert. Und das lässt doch wirklich hoffen, wenn der zukünftige Weltenlehrer noch mehr Liebe, Güte, Freundschaft und Freundlichkeit in die Welt bringt…

Maitreya Buddha im Tashilhunpo-Kloster, Shigatse, 26,2 m hoch

Maitreya Buddha im Drepung-Kloster, Lhasa

 

Da man in jedem Kloster im die selben Buddhas und Figuren findet, wird es irgendwann einmal sehr anstrengend. Die düsteren Gebetshallen und Götterzimmer sowie der allgegenwärtige Geruch der Butterlampen lullte uns zwar immer mehr in die Spiritualität des tibetischen Buddhismus, wurde uns jedoch im Laufe der Zeit einfach zuviel.

Als Opfergabe füllen die Pilger in Thermoskannen mitgebrachte Butter in die Butterlampen in den Klöstern.

 

Wir genossen es daher sehr, dass es am nächsten Tag weiter ging Richtung Old Tingri und Mount Everest und wir wieder viele Pässe und Natur pur genießen konnten.

 

Wir waren vollkommen überwältigt von der Schönheit aber auch der Kargheit des Landes. Und dann, nach einem sehr hohen Pass lag er endlich vor uns: der Mount Everest – ohne Worte!!

Bei dem Anblick des höchsten Berges der Welt waren dann alle Strapazen sehr schnell vergessen und die Aufregung, ihn am nächsten Tag aus nächster Nähe bewundern zu können stieg ins Unermessliche.

Angekommen in Old Tingri fuhr uns unser Fahrer Tensi in unser neues Nacht-Domizil. Dort traf uns jedoch fast der Schlag. Wir sind ja wirklich einfache Zimmer gewöhnt, aber das ging gar nicht. Ein Raum mit ca. 10 m², mit zwei Pritschen mit extrem dünnen Auflagen, einer kleinen Glühbirne von der Decke kommend, ohne WC, ohne Steckdose, ohne Wasser. Um die Toilette zu erreichen, musste man den Hof überqueren, zu einem Plumpsklo. Nicht vorstellbar, bei Temperaturen im Minusbereich, vor allem nachts… Und ohne Wärmflasche ins Bett zu gehen, war für uns bei der Kälte auch nicht mehr vorstellbar (ich frage mich immer, wie Herr Messmer oder alle anderen Bergsteiger das aushalten…).

Wir weigerten uns also hier zu übernachten und baten unseren Guide ein anderes Hotel anzufahren. In meinem Foto-Guide (wir durften unseren Tibet-Führer ja nicht nach Tibet mitnehmen. Die Chinesen konfiszieren alle alle Bücher die von Tibet handeln sofort. Zum Glück wussten wir das, fotografierten die wichtigsten Seiten und ließen das Buch in Nepal) hatte ich über das beste Hotel des Ortes gelesen und da wollten wir dann hin.

Und so sah das 1. Haus am Platz von Außen aus, die Blechtüren gingen zu den Zimmern:

Uns stockte der Atem…

Das Zimmer selbst sah dann aber sehr ordentlich und vor allem sauber aus.

Zum Glück gab es ein Bad und WC im Zimmer, aber leider ohne fließend Wasser. Dies wurde uns in großen Eimern frisch aus dem Brunnen geholt aufs Zimmer gestellt.

Und Strom hatten wir nur abends zwischen 20:00 Uhr und 23:00 Uhr… das reichte uns aber um die Kamera-Akkus wieder aufzuladen und uns mindestens 2 x eine Wärmflasche mit unserem Wasserkocher zu befüllen.

Der Blick war dann aber das Großartigste, was wir jemals in einem Hotel genießen konnten: wir schauten sogar aus unserem Fenster direkt auf den Mount Everest und den Mt. Cho Oyu, einem weiteren 8-Tausender.

Schnell merkten wir aber in diesem Hotel und in unserem Zimmer, dass es hier auf 4.300 m nachts noch kälter war. Meine Yogaübungen machte ich erstmalig in Skiunterwäsche, mit Mütze und Schal, da ich auch nach dem Sonnengruß nicht wirklich aufgewärmt war. Bei einer Innentemperatur von gefühlten 5 ° C war das aber kein Wunder…

Die Nacht war dann die kälteste Nacht in meinem Leben. Irgendwann war unsere Wärmflasche kalt, aber wir konnten uns keine neue mehr mit heißem Wasser füllen, da gegen 23 Uhr der Stromgenerator abgestellt wurde und es  keinen Strom mehr gab. Wir mummelten uns in unsere Schlafsäcke und verschlossen sie, dass nur noch die Augen und die Nase herausschaute. Erstaunlicherweise schlief ich sogar ganz gut, aber wachte dann leider auf, und spürte, dass es mir immer kälter wurde. Ich hatte wirklich Angst, da ich spürte, dass dies meiner Erkältung gar nicht gut tat. Ich begann zu beten. Ich betete die ganze Nacht, dass ich gesund werden würde und dass ich gut und heil wieder in Deutschland landen würde (ich bin heute sehr dankbar, dass meine Gebete erhört wurden und ich zumindest gut nach Deutschland gekommen bin und dort behandelt werden konnte).

Am nächsten Morgen ging es dann in aller Frühe Richtung Rongbuk Monastery und Mount Everest Base Camp. Es war noch dunkel, als wir starteten. Sehr dunkel – und damit meine ich nicht draußen. Da wir noch keinen Strom im Zimmer hatten, mussten wir uns mit Kerzen und Stirn-Taschenlampen behelfen und mussten natürlich sehr aufpassen, dass wir nichts in der Dunkelheit vergaßen.

Dann um 6:30 Uhr ging es endlich los. Schon bald verließen wir die gut ausgebaute Straße und fuhren auf einen Feldweg. Mir war vollkommen schleierhaft, wie unser Fahrer den Weg ohne Karte, ohne Navi in der Dunkelheit finden konnte. Denn da war weder Straße, noch erkennbarer Weg. Da war nur Schotter, ein Flußbett, einige Brücken über das Flussbett, Schotter, Schotter, Schotter… Aber Tensi fuhr sicher seinen Weg und man hatte das Gefühl, dass er wusste, was er tat. Ewig lange fuhren wir durch die Dunkelheit, die Natur konnten wir nur ahnen. Gegen 8:30 Uhr begann es endlich zu dämmern und langsam ging die Sonne hinter den Bergen auf.

Es war wunderschön, was sich uns Minute für Minute offenbarte: totale Wildnis, Mondlandschaft, schneebedeckte Berge, die mittlerweile alle um die 6.000 bis 8.000 Meter hoch waren, nahezu unberührte Natur.

Nach gut 3 Stunden und 80 km waren wir dann endlich angkommen. Vorbei am Ronbuk-Kloster ging es zum Mount Everest North Base Camp auf 5.545 m (es gibt noch ein Süd-Base-Camp in Nepal über das der Mount Everest über die Südseite bestiegen wird). Da der Mount Everest im Winter selten über die Nordseite bestiegen wird, war das Base-Camp leer und wirkte verloren und ausgestorben. Aber das war uns egal. Näher werden wir dem höchsten Berg der Welt wohl nie wieder kommen…

Gerne hätten wir diesen magischen Ort noch länger genossen, aber bei – 20 °C und einem sehr kalten Wind, zog es uns sehr bald wieder zum Auto. Es würde noch Stunden dauern, bis die Sonne hinter dem Berg hervorkam und das Base-Camp etwas wärmen würde.

Und leider hatten wir ja noch einen nicht zu unterschätzenden Weg vor uns, so dass ein langer Aufenthalt leider nicht möglich war. Ich sog die Atmosphäre so gut es ging in mich auf und konnte es kaum glauben, dass ich tatsächlich hier an einem der höchsten Punkte der Welt stand (ehrlich gesagt kann ich es auch heute noch nicht glauben, auch wenn ich die Bilder sehe…).

Mit dem Jeep ging es zurück zum Rongbuk-Kloster. Hier kam zum Glück schon die Sonne hin, so dass es zumindest in der Sonne einigermaßen zum Aushalten war. Auch wenn das Kloster extrem einfach und runtergekommen wirkt, so war der Blick von hier einer der schönsten, die ich jemals gesehen habe. Und die Ruhe… unglaublich. In diesen Höhen hört man noch nicht mal Vogelgezwitscher oder das Rauschen von Bäumen. Es ist absolut still, Ruhe pur!

 

Wenn ich die Bilder so anschaue, bekomme ich eine Gänsehaut und so langsam wird mir klar, was mir so den Atem verschlagen hat.

Noch am gleichen Tag ging es über den Friendship-Highway Richtung Grenze zu Nepal, vorbei an diversen kleinen tibetischen Örtchen, bizarren Brücken, Nomaden, schneebedeckten Bergen, zugefrorenen Flüssen, hohen Pässen, vorbei an einem weiteren 8-Tausender, dem Shishapangma.

Wir genossen diese Eindrücke noch mal sehr, freuten uns aber unglaublich, wieder in “normale” Verhältnisse zu kommen. Wir freuten uns auf die Wärme und vor allem auf das gute Essen in Kathmandu. Als erstes wollte ich unbedingt abends zu unserem Lieblings-Italiener und mal richtig lecker Nudeln essen.

Aber bis dahin lagen noch einige Kilometer, viele Stunden und grottenschlechte Straßen vor uns.

Die Nacht verbrachten wir in Zhangmu, einem Ort nahe der nepalesischen Grenze. Der Ort ist ein richtiger Grenzort, außer chaotischem Auto- und LKW-Verkehr hat der Ort nichts zu bieten. Vorbei war es mit der Ruhe, die wir in den letzten Tagen in der Hochebene genossen haben.  Aber das war uns egal, so langsam mussten wir uns ja an das Chaos gewöhnen, das uns in Kathmandu und einige Tage später in Delhi erwartete und außerdem war es warm und wir konnten auf 2.300 m wieder deutlich besser atmen.

Wir schliefen unglaublich gut und erfreuten uns an der Wärme im Zimmer, dem fließenden warmen Wasser und einer funktionierenden Toiletten-Spülung.

Am nächsten Tag galt es Abschied nehmen von Dockpa und Tensi unseren Reisebegleitern. Es waren wirklich nette Kerle, mit denen wir uns wirklich wohl gefühlt haben. Die Grenzkontrolle war eher unkompliziert und schon ging es über die Friendship-Brigde rüber nach Nepal. Auf der Brücke und dahinter herrschte ein totales Chaos. Wir hatten keine Ahnung, wie wir in diesem Gewusel unseren Freund Dorjee finden sollten, der uns abholen und nach Kathmandu bringen wollte.

Gott waren wir froh, als er dann plötzlich vor uns stand. Er begleitete uns durch die Immigration und los ging es Richtung Kathmandu. Etwas merkwürdig war für uns, dass wir plötzlich unsere Uhren um 2 1/4 Stunden zurückstellen mussten. In Tibet gilt die Chinesische Zeit und Nepal hat auch seine eigene Zeitzone.

Good bye Tibet and welcome in Nepal.

Wir schauten noch einmal zurück, zurück zu einem Land das uns ein so großes Abenteuer beschert hatte, das uns so an unsere Grenzen gebracht hat, das uns mit unglaublichen Gegensätzen etwas verwirrt hat und das uns Bilder/Eindrücke geschenkt hat, die wir wohl nie wieder vergessen werden. Unser erster Impuls war:

NIE WIEDER TIBET – jedenfalls nicht gleich…

Puh, nun ist es auf dem Blatt. Beim Schreiben kam es mir vor, als ob wir 6 Wochen in Tibet gewesen sind. Kaum zu glauben, dass es nur 8 Tage waren…

Ich hoffe, dass ihr durch meinen Schilderungen einen kleinen Eindruck von Tibet gewinnen konntet. Sollte jemand von euch ebenfalls Erfahrungen in Tibet gesammelt haben, würde ich mich über eine Nachricht, einen Kommentar sehr freuen.

Tibet lässt mich nicht los, es hat sich in mein Herz gebrannt. Ich lese gerade alles, was ich über dieses Land in die Hände bekomme und vielleicht werden wir ja doch noch mal nach Tibet fahren :-) We will see!!

In diesem Sinne grüße ich euch herzlich.

Eure Sabine

  • Karma Pema:

    Namaste :) ich nocheinmal _/\_

    Stolz ist eine Trotzreaktion in Ermangelung wirksamer Mittel. Ein stolzes Volk neigt zu Krieg, da es wichtige Dinge für sich nicht klären konnte. Stolz ist ein Unwort und löst sich bei genauer Betrachtung in andere Störgefühle auf.
    Tibeter sind selbstbewußt, nicht stolz.
    Ich wünsche Ihnen Tiefe in Ihrer Praxis.

    Alles Liebe,
    Karma Pema

  • Karma Pema:

    …und schade ist, dass ein Volk im Rausch von Eitelkeiten unter geht. Eitelkeiten die Blind machen für das was ist. Die Leere ist bestürzend. Die Leere zeigt den Tod eines Volkes, das eines Thrones würdig ist.

    Gute Wünsche,
    Karma Pema

  • Karma Pema:

    Namaste

    Nein, schade ist, dass Sie Tibet nicht mehr so in Erinnerung haben wie ich.

  • Karma Pema:

    Namaste,
    was mich an Ihren Bildern gruselt sind die fehlenden Menschen.
    Ich kann ihre Freude nicht teilen. Das Land ist schön, aber ohne Seele.

    Gute Wünsche

    • sabine:

      Im ersten Teil meines Blocks sind die Menschen in den Fotos zu finden. Aber die meisten Menschen, die ich gesehen habe, trage ich in meinen Herzen. Ich fand, dass das Land sehr viel Seele hat. Wir haben sehr viele wunderbare Tibeter kennengelernt, die trotz Verbot zu ihrem Glauben stehen, stolz und aufrichtig sind und der harten Lebensbedingungen mit ihrer Freude und Hoffnung trotzen. Schade, dass Sie Tibet scheinbar anders kennengelernt haben. Viele Grüße Sabine Schwarz

  • Eine andere Sabine:

    Huh! Schön, mal wieder von Dir zu lesen. Nicht so schön, dass Du so krank bist.

    Dein Bericht über Tibet ist fesselnd, aber auch anstrengend. Die mentale Anstrengung geht beim Lesen schon in körperliche Anspannung über.

    Ich wünsche Dir und Deinen Lieben ein wunderschönes Weihnachtsfest, besinnliche und erholsame, aber auch fröhliche Stunden. Werde wieder ganz gesund und dann hoffe ich, dass wir uns am 16.01. wiedersehen können. Bis dahin, alles, alles Gute und einen schwungvollen Rutsch ins neue Jahr.

    Herzlichst, Sabine, die andere

    • sabine:

      Liebe Sabine, ich glaube, ich habe ganz vergessen, dir zu antworten. Sorry. Vielen Dank für die guten Wünsche. Dir auch ein wunderbares neues Jahr!! Würde mich freuen, wenn wir mal wieder zusammen yogieren würden. Bis bald und alles Gute. Sabine

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