”Sabine
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06 + 07 .11.2011

Es ist immer wieder unglaublich… ich bin hier in Agra und laufe ständig mit etwas Gänsehaut rum und meine Seele hupft permanent. Ich bin immer am Grinsen und spüre das warme Gefühl in meinem Herzen. Ich frage mich immer wieder, warum ich hier in Indien so fühle, warum ich so glücklich bin. Denn eigentlich ist es hier verdammt dreckig, es ist heiß, unglaublich laut, hektisch und der Gestank wird nur hin und wieder von Räucherstäbchen überdeckt.

 

Und trotzdem spüre ich eine Ruhe und Gelassenheit in mir, die ich in anderswo selten empfinde.

Indien ist so ganz anders als Deutschland, als München und Anzing. Extremer geht es wohl gar nicht.

Bei dem Blick von meinem Lieblingscafé, dem Shanti Lodge wird dieser Gegensatz ganz deutlich.

Das Taj Mahal im Hintergrund (für mich schönste Gebäude der Welt) mit seiner unendlichen Pracht, einst das teuerste Gebäude, vorne die Dächer der Häuser, in denen die Menschen in großer Armut leben.

Für mich ist dieser Gegensatz hier, die Einfachheit, die Armut, der Dreck und das Chaos wichtig um mein eigenes Leben in Deutschland, im Luxus, in der Sauberkeit und mit der besten Organisation, wieder einmal zu reflektieren. Immer wenn ich dieses Extrem erlebe, weiß ich wieder, wie gut es uns geht, spüre ich noch mehr diese unendliche Dankbarkeit, dass ich in der Welt leben darf, in der ich lebe.

Ich spüre aber auch mal wieder, wie wenig ich hier brauche. Wenn kein heißes Wasser da ist, dann duschen wir halt kalt, wenn kein Licht da ist, bleiben wir im Dunkeln oder zünden eine Kerze an. Wenn die Kleidung schmutzig ist, dann reicht sie locker noch für einen weiteren Tag, denn mehr zum Anziehen ging einfach nicht in den Rucksack rein. Dieser Minimalismus hilft mir, auch Zuhause weniger zu brauchen, zu wollen und mit den Dingen zufrieden zu sein, die ich habe. Es ist eine Farce zu glauben, dass man glücklicher ist, wenn man mehr hat.

Und es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie auch die ärmsten Menschen, auch die Bettler hier, strahlen können. Sie sind wahrscheinlich deutlich glücklicher und zufrieden, als die meisten Menschen in Deutschland… Ich glaube, jeder Mensch sollte öfter in seinem Leben in ein Land mit dieser Armut reisen, dann gäbe es sicherlich deutlich mehr glückliche Menschen in Deutschland.

Bereits auf dem kurzen Flug nach Delhi (6 ½) Stunden, durfte ich mich mit diesen Gegensätzen beschäftigen. Im Videokanal des Fliegers lief der Film „Sommer in Orange“, der von dem gleichen Regisseur gedreht wurde wie der Film „Wer früher stirbt ist länger tot“. Der Film handelt von Sannyassins (Anhänger von Baghwan in den 80er Jahren), die von Berlin in eine bayerische Gemeinde zogen und sich mit den bayerischen Traditionen konfrontiert sahen. Sie lebten ein ebenso extremes Leben, wie die Mitglieder der bayerischen Gemeinde. Als beide Extreme aufeinander trafen, krachte es erst einmal gewaltig. Die Botschaft war ganz klar: keines der Extreme war gut. Am Schluss, als sich beide Parteien entgegen kamen, beide Seiten sich öffneten für die Meinung und Lebensweise der anderen, konnten sie in Frieden und Harmonie zusammen leben. Ich denke, es gäbe weniger Streits, weniger Kriege, mehr Harmonie, wenn manche Menschen nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch Grau sehen würden. Grau ist nicht schlecht, Grau ist auch nicht mittelmäßig oder langweilig. Sondern Grau ist einfach die Kombination aus Schwarz und Weiß. Es ist die Schnittmenge, die Mitte zwischen beidem.

Dieses Prinzip, von den Extremen zur Mitte zu kommen, durfte ich auch schon während meiner Astrologie-Ausbildung lernen. Hier ging es immer um die auf einer Achse liegenden, sich gegenüberstehenden Sternzeichen auf der Radix (dem Horoskop). Zum Beispiel die Jungfrau gegenüber vom Fisch. Die Jungfrau steht für die Analyse, die Logik, das Ordentliche, etc. und der Fisch symbolisiert die Intuition, das Chaos, das Fließende, etc. Zu sehr die eine oder andere Seite zu leben ist ungesund. Das Ziel sollte es sein, dass man beide Qualitäten lernt zu integrieren damit man beide Qualitäten bei Bedarf zur Verfügung hat und anwenden kann. Zur Mitte kommen, zum Ausgleich kommen heißt es auch hier.

Diese Überlegungen helfen mir auch bei meinem eigenen inneren Konflikt, den ich immer wieder spüre. Ein Teil in mir sucht die absolute Spiritualität, das Loslassen, die Gelassenheit, der andere Tiel braucht das Bodenständige, das Analytische, die Kontrolle und den Perfektionismus.

Mir wird klar, dass ich nichts extrem leben muss oder möchte. Es ist die Kombination aus beidem. Der Mittelweg. Und ich weiß, dass mir manchmal mehr Gelassenheit gut tun würde, manchmal sollte ich meinen Perfektionsanspruch einfach mal zur Seite legen. Und manchmal sollte ich einfach mal drei gerade sein lassen und mehr Zeit für meine Spiritualität investieren. Dann bin ich sicherlich auch etwas erträglicher für manche Menschen in meinem Umfeld… Dann kommt die Gelassenheit und Zufriedenheit ganz von selbst. Ok, Lektion kapiert. Ich werde daran arbeiten!!

Obwohl ich gestern nach dem Nachtflug abends extrem müde war, schaffte ich es, meine Yoga-Einheit zu absolvieren. Gestern Abend auf dem Bett führte ich Pranayama (Kapalabhati und Anuloma Viloma) durch, machte einige Dehnübungen für den Rücken und Nacken und meditierte noch 5 Minuten. Nach der anstrengenden Reise (wir brauchten leider mit dem Auto von Delhi nach Agra genauso lange, wie mit dem Flieger von München nach Delhi…) tat mir Yoga so dermaßen gut. Danach war ich deutlich fitter, wach und erfrischt.

Heute rollte ich meine dünne Reiseyogamatte mitten im Treppenhaus mit Blick auf die Straße aus.

Mir war es wurscht, dass andere Gäste vorbeikamen. Ich machte den Sonnen- und Mondgruß, Kopfstand auf dem harten Boden und einige andere Asanas aus der Rishikesh-Reihe.

Es ist schon lustig, mittlerweile kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, an einem Tag kein Yoga zu machen :-) .

So, da ich nun mal online bin, stelle ich meinen ersten Reisebericht schnell ins Netz rein. Wer weiß, wann ich das nächste mal Zeit und Netz habe.

Ich grüße euch alle herzlich aus Indien.

Eure Sabine

  • Eine andere Sabine:

    Ein toller Artikel!

    Ich wünsche Dir noch eine ganz schöne Zeit dort unten und sende herzliche Grüße aus dem kalten Bayern.

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