”Sabine
Mein Twitter Profil
Infos zu den oben stehenden Plug-Ins siehe Impressum Punkt 6.

 

Verfasst am 13. November 2011

 

Liebe blog-Leser,

Eigentlich dachten wir, dass wir heute gegen Mittag nach Lhasa fliegen könnten. Das Wetter in Kathmandu war jedoch so schlecht (Nebel und Regen), dass immer wieder Verspätung angezeigt wurde. Erst warteten wir in der Halle an den Gates, dann wurden wir als Entschädigung von der Air China zum Essen eingeladen, gingen also wieder raus aus dem Check-In-Bereich, danach warteten wir weiter in der etwas komfortableren Halle vor dem Check-In. Es ist schon hochinteressant die Menschen beim Warten zu beobachten. Aus den verschiedensten Orten der Welt und mit den unterschiedlichsten Reaktionen.

 

Nach rd. 6 Stunden Warten erhielten wir dann die Mitteilung, dass unser Flug gecancelt wurde… Ok, das war eine interessante und neue Erfahrung für uns, denn bisher hatte bei all unseren Reisen immer alles reibungslos geklappt (na, bis auf die normale Verspätung einiger Züge in Indien um ca. 2 Stunden, oder der Fahrer, der dann halt mal 1 Stunde später kommt…). Aber auch diese Erfahrung ist mal gut… Lieber canceln sie den Flug, bevor bei Nebel in den hohen Bergen Nepals was passiert. Vor einigen Monaten erst ist ein Flugzeug der Gesellschaft Buddha-Air an den Bergen in Godavari zerschellt… Wer weiß also, für was es gut war. Und ändern konnten wir es ja eh nicht mehr, nur das Beste draus machen… Zum Glück haben wir ein kleines Zeitpolster in Tibet, das manche Reisende nicht hatte…

Die Air China war wirklich sehr bemüht, sie organisierte allen Fluggäste ein Hotel mit Komplettversorgung (in München habe ich gelesen, mussten die Menschen auf Feldbetten im Flughafen schlafen, nachdem der Flug gecancelt wurde…). Mit dem Bus wurden wir in das für unsere Verhältnisse sehr luxuriöse Airport-Hotel gebracht.

Und scheinbar war der Kindergarten gerade geschlossen, denn der Busfahrer hatte seinen kleinen Sohn im Führerhaus dabei. Unglaublich…

 

 

Unser Zimmer war rund und glich eher einem Tanzsaal.

Und in den einheitlichen Beigetönen passte es sich genau Helmuts Pulli an, oder er hatte sein Outfit dem Zimmer angepasst :-) . Das Zimmer war groß und oberflächlich betrachtet sauber, aber farblich war das Zimmer wirklich ein Fall für meine Raumausstatter…

Wir hatten nun viel Zeit zu schlafen und uns zu erholen, das war mal gar nicht schlecht, denn wir waren beide ganz schön erkältet… Wir schliefen super und waren am nächsten Morgen fit um früh nach Lhasa zu fliegen.

 

Die Wartezeit war auch gut, um noch mal die ganzen Erlebnisse in Kathmandu Revue passieren zu lassen und etwas zu verarbeiten:

Was mein Yoga-Programm angeht, bin ich sehr stolz. Bereits seit 86 Tagen praktiziere ich täglich Yoga, ohne auch nur einmal auszusetzen. Besonders am 12. November machte mir Yoga ganz besonders viel Spaß über den Dächern von Kathmandu. Und dies war mein Blick nach Vorne und nach Hinten:

 

35 Minuten dauerte meine Session. Ich machte Pranayama mit Kapalabhati und Anuloma Viloma, 4 Ashtanga-Sonnengrüße und dann die Rishikesh-Reihe, bis auf die Rückenübungen. Tja, die leidigen Rückenübungen. Ehrlich gesagt mag ich die Übungen gar nicht gerne und tue mich auch verdammt schwer vor allem mit der Heuschrecke und dem Bogen. Dabei ist der Rücken meine absolute Schwachstelle und gerade diese Übungen wären so wichtig für mich… Naja zum Glück stärken ja verschiedenen andere Übungen auch den Rücken und verschonen mich vor Rückenschmerzen, was bei den vielen, oft viel zu harten und unbequemen Matratzen hier schon fast ein Wunder ist!!!

Ich beschloss meine Yoga-Einheit mit dem Singen des Gayatri-Mantras. Sozusagen Playback, da ich das Mantra über mein Iphone von Deva Premal abspielen ließ und mitsang :-)

Nach dem Yoga gab es dann eine weitere Runde Yoga-Nidra: meine Lieblings-Entspannungsübung im Moment. Vor dem Urlaub fiel mir durch Zufall bei Amazon ein Büchlein über Yoga-Nidra auf, das ich dann sogleich bestellte. Und ich bin total begeistert. Ich mache im Moment jeden Tag die 24 Minuten Yoga-Nidra-Übung auf der CD und bin danach jedes Mal komplett entspannt. Yoga-Nidra hat mir sehr geholfen einigermaßen fit zu bleiben, bei den vielen Nächten in den letzten Tagen, in denen ich entweder gar nicht oder total schlecht geschlafen hatte. Mit Yoga-Nidra kann man ca. 3 – 4 Stunden Schlaf nachholen und ist danach sehr erfrischt und ausgeruht. Auch manchen Anspannungs-Kopfschmerz habe ich in der letzten Woche mit Pranayama und Yoga-Nidra wegbekommen!!

Das Büchlein ist klein, kompakt und sehr gut strukturiert verfasst wurde es von Barbara Kündig, die enthaltene CD enthält 2 Versionen von Yoga Nidra:

 

Die Methode wurde von Swami Satyananda Saraswati (1923 – 2009) entwickelt, einem Schüler von Swami Sivananda. Zu Yoga Nidra sagt er:

„Die meisten Menschen legen sich schlafen, ohne ihre Verspannungen vorher aufzulösen. Das nennt man Nidra. Nidra bedeutet Schlaf, egal wie. Yoga Nidra aber ist der Schlaf, nachdem alle Lasten entfernt sind. Es ist eine völlig andere und höhere Qualität.“

Swami Satyananda Saraswati

“Bei Yoga Nidra schläft der Körper in einer speziellen Weise, das innere Bewusstsein bleibt aber wach. Diese Technik führt dazu, dass sich körperliche, mentale und seelische Verspannungen lösen und Blockaden abbauen.” Ich praktiziere Yoga Nidra seit einigen Tagen täglich und bin von dem Erfolg wirklich angetan. So tief konnte ich schon lange nicht mehr entspannen. Und danach bin ich richtig fit und voller Energie!

Mein nächster Entspannungskurs, am 02. Dezember, kann sich schon mal auf eine neue Entspannungstechnik freuen!!!

Komplett entspann grüße ich euch aus dem fernen Kathmandu.

Herzlichst

Sabine

Post to Twitter tweet this Post to Facebook Teile in Facebook

10. bis 12. November 2011

 

Lieber blog-Leser,

 

Und weiter geht unsere Reise. Unser nächstes Ziel ist Kathmandu, Nepal. Bereits der Flug von Delhi nach Kathmandu ist ein Erlebnis. Man fliegt die ganze Zeit am Himalaya entlang und kann zum ersten Mal die beeindruckende Pracht der vielen über 6tausender genießen.

Angekommen am Flughafen in Kathmandu nahm uns Dorjee in Empfang und schenkte uns einen nepalesischen Schal. Dorjee ist der „Patensohn“ von deutschen Bekannten von uns, die 4 Monate im Jahr in Kathmandu leben. Dorjee ist ein Sherpa (Sherpas sind eine ethnische Gruppe in Nepal, die um 1500 n. Chr. aus Tibet nach Nepal einreisten – fälschlicherweise verbindet man heute mit Sherpas nur die Lastenträger bei Expeditionen) war so freundlich und hat unsere bevorstehende Tibetreise organisiert.

Es war schön mal wieder in Kathmandu zu sein. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und endlich sahen wir einige schneebedeckte Berge. Beim letzten Mal, im April letzten Jahres, war es die ganzen 2 Wochen so dunstig, dass wir kein einziges Mal die Berge des Himalayas klar sehen konnten.

Es hat sich unglaublich viel in Kathmandu getan. Wir hatten das Gefühl, dass weniger Verkehrschaos herrschte, die Straßen sauberer sind und viele Gebäude renoviert wurden. Oder aber empfinden wir das nur so, weil wir gerade aus dem noch einfacheren Indien kommen?

Nepal ist im Vergleich zu Indien deutlich touristischer und für unsere Verhältnisse entwickelter. Zumindest die größeren Städte Kathmandu und Pokhara. Man trifft natürlich auf viel mehr Touristen, aus aller Welt, die von den Nepalis mit allem versorgt werden, was sie sich wünschen: westlichen Restaurants, Alkohol (in Indien bekommt man Bier, Wein, etc. nur in ganz wenigen (geheimen) Shops), mit Mineralwasser gewaschene Früchte und Salate (also auch für uns zu essen, ohne gleich Montezumas Rache zu spüren), tollen Supermärkten, mit allen Produkten, die man sich wünscht. Dafür ist aber alles deutlich teurer als in Indien.

Das Phänomenale an Nepal ist die unglaubliche Herzlichkeit, Offenheit und Toleranz der Menschen. Die Inder sind auch sehr freundlich, aber die Nepalesen sind wirklich herzlich, lächeln immer und sie akzeptieren wirklich alles und jeden aus vollstem Herzen. Und das ist auch der Grund, warum hier über 100 ethnische Gruppen und verschiedene Religionen (Hinduismus, Buddhismus, Christentum, Islam) ganz friedlich nebeneinander und miteinander leben können. Jeder Nepali fühlt sich ein bisschen Hindu, Buddhist, Christ… Diese Art zu Leben und zu Handeln habe ich bisher in keinem anderen Land erlebt.

Und weil hier alles möglich ist, haben wir in den drei Tagen, die wir mittlerweile hier sind, viele Hindu-Tempel, wunderbare buddhistische Klöster und Stupas und ein katholisches Kloster besucht.

Kleiner Hindu-Tempel in Kathmandu.

Und direkt gegenüber eine buddhistische Stupa:

Kapan Monastery mit dem Meditationsgarten, dem Garten mit Blick auf den Ganesh Himal, der Meditationshalle und den Möchen vor den blühenden Weihnachtssternen:

 

Ganz besonders ist für uns immer der Besuch im St. Mary Convent in Patan (einem Vorort von Kathmandu). Hier lebte 50 Jahre Helmuts Großtante Sister Frances. Sister Frances (oder auch Franziska Parstorfer aus Aham in Niederbayern) verließ mit 20 Jahren in den 30er Jahren ihre Heimatstadt und ging als Ordensschwester erst für 30 Jahre nach Indien und dann den Rest Ihres Lebens nach Nepal. 2006 starb sie mit 91 Jahren und liegt in Godavari, vor den Toren Kathmandus, begraben.

Sister Frances

 

Zu Lebzeiten baute Sister Francis Armenschulen, erst in Indien und ab 1955 auch in Nepal auf, die noch heute den Kindern von der Straße (vor allem Mädchen) die Möglichkeit geben, eine kostenlose Ausbildung zu genießen. Auch werden Weiterbildungsmöglichkeiten für junge Frauen angeboten, z.B. Nähkurse, damit sie durch Näharbeiten ihre Existenz sichern können. Auch eine Gesundheits- und Sozialstation wurde von Spenden in Nepal errichtet. Bereits vor 1 ½ Jahren besuchten wir die Nonnen, die für Sister Francis ja Familie waren und als Verwandte gehören auch wir zu dieser großen Familie. Mit großer Herzlichkeit werden wir immer begrüßt. Besonders gefreut haben wir uns, Sister Angelica in Patan zu treffen, eine auch schon etwas betagtere Nonne, die Sister Francis am besten kannte und heute noch ein paar typische deutsche Worte von Franziska zum Besten geben kann („grüß Gott“ – „geh weiter“ – natürlich bayrisch gefärbt J). Die Kekse, die wir angeboten bekommen, werden immer noch nach dem Rezept von Tante Franziska gebacken.

 

Sister Angelica, Sister Margaret Mary und Helmut

 

Dieses Mal besuchten wir nur die Kinder von der St. Mary School, einer sehr guten Schule, für die die Eltern allerdings bezahlen müssen. Sobald wir aus Tibet zurück sind, werden wir auch die Armenschulen besichtigen. Wir haben seit unserem letzten Besuch in Kathmandu bei diversen Gelegenheiten Spenden gesammelt, die wir gestern den Schwestern überreicht haben. In den Armenschulen wollen wir dann besichtigen, was aus dem von uns und der Nepalhilfe Aham gespendeten Geld entstanden ist. (weitere Infos unter www.nepalhilfe-aham.de)

 

 

Die Schwestern machen wirklich einen tollen Job. Das ist wirklich gelebte Liebe. Ich habe höchsten Respekt vor diesem Engagement unter den manchmal katastrophalen nepalesischen Verhältnissen. Leider gibt es auch hier zu wenig Nachwuchs. Momentan leben in Patan 9 Nonnen, die meisten sind indischer Herkunft. Das Durchschnittsalter würde ich aber mal auf 70 Jahre schätzen… Was aber wird in Zukunft wohl sein, wenn nicht mehr genügend Nonnen dieses Ehrenamt ausüben? Was wird aus den Armenschulen? Wir können alle nur hoffen und beten, dass sich immer genügend Mädchen/Frauen finden, die sich für ein Leben im Kloster entscheiden.

Morgen fliegen wir um die Mittagszeit nach Lhasa. Nach einigen Tage Sight Seeing und Eingewöhnungszeit geht es dann mit dem Jeep über den Himalaya zurück nach Kathmandu. Wir sind sehr gespannt, wie dieses Abenteuer wohl werden wird und wie es uns in Höhen zwischen 3.800 und 5.100 Metern gehen wird…

Da wir sehr sehr einfach reisen, werden wir in den nächsten 10 Tagen keine online-Verbindung nach Deutschland haben. Aber das ist glaube ich auch mal ganz gut so. Die moderne Technik ist zwar wunderbar, weil sie die Welt verbindet (das ist schon super, über Skype meine Eltern zu sehen, obwohl wir fast 7.000 km entfernt sind J ) aber es ist auch ein Fluch, weil man ständig versucht ist deutsche Nachrichten zu lesen, Emails abzurufen und auf Facebook zu schauen, was so zuhause los ist.

Ich werde also die kommenden 10 Tage als mein persönliches Retreat sehen, indem nur wir, die Menschen denen wir begegnen und die Natur eine Rolle spielen.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine wunderbare Zeit. Take care! Bye bye und Namasté!

Eure Sabine

Post to Twitter tweet this Post to Facebook Teile in Facebook

08. und 09. November 2011

 

Namasté aus Indien!

 

Wir sitzen im Flieger nach Kathmandu. Unsere Zeit in Indien ist vorerst vorbei. Schweren Herzens haben wir Abschied von unserem guten Freund Kamal und Agra genommen.

Den letzten Tag in Agra habe ich aber genutzt um noch einmal das Taj Mahal zu besuchen. Und endlich habe ich es geschafft das Taj Mahal bei Sonnenaufgang bewundern zu können. Früh um 6:15 Uhr brach ich auf und wanderte durch die staubigen Straßen Agras zum Taj Mahal. Obwohl es noch dämmrig war, begann das Leben in den Straßen zu erwachen; Fahrer für Taxiunternehmen wuschen ihre Autos, vor den Shops wurde der Staub von einer Seite zur anderen gekehrt und die Fahrrad-Rikshas waren auch schon unterwegs. Zu meinem Glück… Kamal sagte mir, dass ich ca. 15 min zu Fuß zum Taj Mahal benötigen würde. Es wäre nur 1 km zu laufen. Nach 15 Minuten sah ich allerdings ein Schild, dass es noch weitere 1,2 km zum Taj waren. Die Inder und ihre Untertreibungen…

Zum Glück sprach mich ein Riksha-Fahrer an. Er fuhr mich zuerst zum Ticket-Shop und dann zum Taj. Ich zahlte ihm 50 Rupies, was umgerechnet ca. 80 Cent sind und war froh, dass ich nicht noch später beim Taj ankam. Es hatte sich bereits eine sehr lange Schlange am East-Gate gebildet, die zum Glück aber sehr schnell abgefertigt wurde.

Und dann stand ich endlich wieder vor dem Gebäude, das ich so über alles liebe: dem Taj Mahal.

Und bei Sonnenaufgang sah das Gebäude noch schöner aus, als sonst. Wie sehr muss der Großmogul seine Frau geliebt haben, dass er ihr als letzte Ruhestätte ein solch perfektes Grabmal errichten ließ… und wie viele Menschen mussten sterben, die beim Bau des Taj halfen, damit sie keine Bau-Geheimnisse ausplauderten…

Wieder zurück im Guesthouse machten Kamal, ein Franzose und ich gemeinsam Yoga auf dem Dach des Guesthouses. Die Sonne knallte nun schon richtig heiß vom Himmel, so dass nicht nur die Übungen uns schwitzen ließen. Kamal ist ebenfalls Yogalehrer und ich wollte endlich mal Yoga bei einem indischen Lehrer praktizieren. Es war sehr interessant, viele Dinge machte er anders und inspirierte mich für meine eigene Praxis und für meine Yogakurse.

Auch er beginnt die Yogastunde mit Mantras, jedoch deutlich mehr als in unseren Yogastunden. Auch singt er das Gayatri-Mantra. Ein wunderschönes Mantra, das ich nun doch mal lernen möchte um es auch vor oder nach der Yogastunde singen zu können. Das Gayatri Mantra ist eines der wichtigsten Mantras für die Hindus. In dem Mantra wird die Sonne als sichtbarer Repräsentant des Höchsten gewürdigt. Man bittet in diesem Mantra um Erleuchtung und die höchste Wahrheit. Die Hindus singen dieses Mantra täglich mehrmals: bei Sonnenaufgang, am Mittag und bei Sonnenuntergang.

Dann begann Kamal mit den Aufwärmübungen. Vor allem machte er Übungen, die die Hüfte öffneten, damit man später beim Atmen besser im Schneidersitzt oder Lotus-Sitz sitzen konnte. Sehr sinnvoll, ich glaube, das werde ich mir auch mal angewöhnen.

Es ist immer wieder toll über den Dächern Indiens Yoga zu machen. Dieser Geruch, die Geräusche, die Wärme sind einzigartig und bescheren mir immer wieder eine Gänsehaut.

Um 14 Uhr wollten wir dann wieder mit einem Fahrer zurück nach Delhi fahren. Aus 14 Uhr wurde 15 Uhr, der Fahrer kam einfach nicht – das ist halt so in Indien. Wir haben ja Zeit. So konnten wir wenigstens noch einen Chai genießen und noch ein paar Worte mit Kamal wechseln. Was wären wir ohne Chai in Indien. Es ist einfach das leckerste Getränk. Leider schmeckt es jedoch nur in Indien, an Orten, die in Deutschland nach spätestens 1 Tag vom Gewerbeaufsichtsamt geschlossen würden.

Schon einige Male haben wir in Deutschland versucht Chai nachzumachen, aber wir waren immer enttäuscht, weil er anders schmeckte als in Indien. Aber ist das nicht immer so? Raki schmeckt nur in der Türkei, Uzo nur in Griechenland und Chai halt nur in Indien…

Hier unser Lieblings-Chai-Macher in Agra, ganz in der Nähe vom South Gate des Taj Mahal:

Leider brauchten wir nach Delhi wieder fast so lange, wie bei der Hinfahrt. 5 ½ Stunden quälten wir uns durch das ganze Chaos. Der Verkehr, die Fahrweise in Indien ist mit Worten gar nicht zu fassen. Man muss sich vorstellen, dass die indischen Highways vierspurig sind, dort jedoch alles fahren darf, was mind. 1 Rad hat: Autos, Motorräder, Tuk-Tuks, Fahrrad-Rikshas, Fahrräder, Ochsenkarren, Kamelkarren, LKW´s, Traktoren, halt alles, was fährt. Dazu kommen die wandernden Inder, die freilaufenden Hunde und Kühe und berittene Elefanten. Auf den Motorrädern sitzt man in der Regel mindestens zu Dritt, eine Familie sah ich, die zu Viert fuhr: auf dem Tank ein ca. 6 jähriger Junge, der Vater am Steuer, dann ein schlafendes Kleinkind und hinten die Mutter, die das schlafende Kind hielt, damit es nicht runterrutschte. Natürlich alles ohne Helm, oder mit einem Bauhelm. Unvorstellbar… Wir selbst fuhren mit Kamal auch einmal zu Dritt auf dem Motorrad… Komisch, in Indien haben wir viel mehr Vertrauen. In Deutschland wäre ich vor lauter Angst im Leben nicht auf solch ein Ding gestiegen. Die Tuk Tuks (Motorrikshas) sind meistens ebenso komplett überfüllt. Schon häufiger sahen wir Tuk-Tuks mit 15 Personen geladen…

Und jeder fährt in Indien wie er will, obwohl Linksverkehr ist, fährt man halt auf der rechten Seite, wenn´s gerade nicht anders geht. Bei uns hieße das Geisterfahrer, in Indien vollkommen normal. Jeder fährt intuitiv und weicht intuitiv aus. Mich wundert es, dass bei dem Fahrstil so wenig passiert…

Immer wieder fällt mir auf, wie ruhig wir in dem ganzen Chaos werden. Je größer das Chaos, desto mehr finden wir zu unserer inneren Ruhe. Zumindest hier in Indien. Das ist wahrscheinlich die einzige Möglichkeit das Chaos hier auszuhalten. Aber haben wir in Deutschland nicht noch mehr Chaos? Noch viel mehr Dinge strömen auf uns ein. Könnten wir in Deutschland nur ein bisschen mehr zu unserer inneren Ruhe finden, ginge es uns allen besser!! Die wahre Ruhe findet man einfach immer nur in sich selbst!!

Sehr müde und hungrig erreichten wir dann spät am Abend das Shanti Palace. Das Hotel ist der wahre Luxus im Vergleich zu den Guesthouses. Und ehrlich gesagt tut es zwischendurch mal sehr sehr gut ein sauberes Zimmer und ein sauberes Bett zu haben und eine Dusche, aus der das Wasser aus einem Duschkopf kommt. In den meisten Guesthouses duscht man mit einem Messbecher aus einem Eimer. In Agra hatten wir zwei Eimer, einen mit heißen und einen mit kaltem Wasser. Zum Duschen mischt man das Wasser. Und es ist klasse so zu duschen. Es ist immer wieder sensationell, wie wenig Wasser man so zum Duschen und Haare waschen braucht. Aber wie gesagt. Manchmal ist es auch toll wieder luxuriös duschen zu können J!!!

Wir schliefen traumhaft! Und wir freuen uns nun auf die Tage in Kathmandu.

Namasté und best wishes from Indial.

Eure Sabine

Post to Twitter tweet this Post to Facebook Teile in Facebook

06 + 07 .11.2011

Es ist immer wieder unglaublich… ich bin hier in Agra und laufe ständig mit etwas Gänsehaut rum und meine Seele hupft permanent. Ich bin immer am Grinsen und spüre das warme Gefühl in meinem Herzen. Ich frage mich immer wieder, warum ich hier in Indien so fühle, warum ich so glücklich bin. Denn eigentlich ist es hier verdammt dreckig, es ist heiß, unglaublich laut, hektisch und der Gestank wird nur hin und wieder von Räucherstäbchen überdeckt.

 

Und trotzdem spüre ich eine Ruhe und Gelassenheit in mir, die ich in anderswo selten empfinde.

Indien ist so ganz anders als Deutschland, als München und Anzing. Extremer geht es wohl gar nicht.

Bei dem Blick von meinem Lieblingscafé, dem Shanti Lodge wird dieser Gegensatz ganz deutlich.

Das Taj Mahal im Hintergrund (für mich schönste Gebäude der Welt) mit seiner unendlichen Pracht, einst das teuerste Gebäude, vorne die Dächer der Häuser, in denen die Menschen in großer Armut leben.

Für mich ist dieser Gegensatz hier, die Einfachheit, die Armut, der Dreck und das Chaos wichtig um mein eigenes Leben in Deutschland, im Luxus, in der Sauberkeit und mit der besten Organisation, wieder einmal zu reflektieren. Immer wenn ich dieses Extrem erlebe, weiß ich wieder, wie gut es uns geht, spüre ich noch mehr diese unendliche Dankbarkeit, dass ich in der Welt leben darf, in der ich lebe.

Ich spüre aber auch mal wieder, wie wenig ich hier brauche. Wenn kein heißes Wasser da ist, dann duschen wir halt kalt, wenn kein Licht da ist, bleiben wir im Dunkeln oder zünden eine Kerze an. Wenn die Kleidung schmutzig ist, dann reicht sie locker noch für einen weiteren Tag, denn mehr zum Anziehen ging einfach nicht in den Rucksack rein. Dieser Minimalismus hilft mir, auch Zuhause weniger zu brauchen, zu wollen und mit den Dingen zufrieden zu sein, die ich habe. Es ist eine Farce zu glauben, dass man glücklicher ist, wenn man mehr hat.

Und es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie auch die ärmsten Menschen, auch die Bettler hier, strahlen können. Sie sind wahrscheinlich deutlich glücklicher und zufrieden, als die meisten Menschen in Deutschland… Ich glaube, jeder Mensch sollte öfter in seinem Leben in ein Land mit dieser Armut reisen, dann gäbe es sicherlich deutlich mehr glückliche Menschen in Deutschland.

Bereits auf dem kurzen Flug nach Delhi (6 ½) Stunden, durfte ich mich mit diesen Gegensätzen beschäftigen. Im Videokanal des Fliegers lief der Film „Sommer in Orange“, der von dem gleichen Regisseur gedreht wurde wie der Film „Wer früher stirbt ist länger tot“. Der Film handelt von Sannyassins (Anhänger von Baghwan in den 80er Jahren), die von Berlin in eine bayerische Gemeinde zogen und sich mit den bayerischen Traditionen konfrontiert sahen. Sie lebten ein ebenso extremes Leben, wie die Mitglieder der bayerischen Gemeinde. Als beide Extreme aufeinander trafen, krachte es erst einmal gewaltig. Die Botschaft war ganz klar: keines der Extreme war gut. Am Schluss, als sich beide Parteien entgegen kamen, beide Seiten sich öffneten für die Meinung und Lebensweise der anderen, konnten sie in Frieden und Harmonie zusammen leben. Ich denke, es gäbe weniger Streits, weniger Kriege, mehr Harmonie, wenn manche Menschen nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch Grau sehen würden. Grau ist nicht schlecht, Grau ist auch nicht mittelmäßig oder langweilig. Sondern Grau ist einfach die Kombination aus Schwarz und Weiß. Es ist die Schnittmenge, die Mitte zwischen beidem.

Dieses Prinzip, von den Extremen zur Mitte zu kommen, durfte ich auch schon während meiner Astrologie-Ausbildung lernen. Hier ging es immer um die auf einer Achse liegenden, sich gegenüberstehenden Sternzeichen auf der Radix (dem Horoskop). Zum Beispiel die Jungfrau gegenüber vom Fisch. Die Jungfrau steht für die Analyse, die Logik, das Ordentliche, etc. und der Fisch symbolisiert die Intuition, das Chaos, das Fließende, etc. Zu sehr die eine oder andere Seite zu leben ist ungesund. Das Ziel sollte es sein, dass man beide Qualitäten lernt zu integrieren damit man beide Qualitäten bei Bedarf zur Verfügung hat und anwenden kann. Zur Mitte kommen, zum Ausgleich kommen heißt es auch hier.

Diese Überlegungen helfen mir auch bei meinem eigenen inneren Konflikt, den ich immer wieder spüre. Ein Teil in mir sucht die absolute Spiritualität, das Loslassen, die Gelassenheit, der andere Tiel braucht das Bodenständige, das Analytische, die Kontrolle und den Perfektionismus.

Mir wird klar, dass ich nichts extrem leben muss oder möchte. Es ist die Kombination aus beidem. Der Mittelweg. Und ich weiß, dass mir manchmal mehr Gelassenheit gut tun würde, manchmal sollte ich meinen Perfektionsanspruch einfach mal zur Seite legen. Und manchmal sollte ich einfach mal drei gerade sein lassen und mehr Zeit für meine Spiritualität investieren. Dann bin ich sicherlich auch etwas erträglicher für manche Menschen in meinem Umfeld… Dann kommt die Gelassenheit und Zufriedenheit ganz von selbst. Ok, Lektion kapiert. Ich werde daran arbeiten!!

Obwohl ich gestern nach dem Nachtflug abends extrem müde war, schaffte ich es, meine Yoga-Einheit zu absolvieren. Gestern Abend auf dem Bett führte ich Pranayama (Kapalabhati und Anuloma Viloma) durch, machte einige Dehnübungen für den Rücken und Nacken und meditierte noch 5 Minuten. Nach der anstrengenden Reise (wir brauchten leider mit dem Auto von Delhi nach Agra genauso lange, wie mit dem Flieger von München nach Delhi…) tat mir Yoga so dermaßen gut. Danach war ich deutlich fitter, wach und erfrischt.

Heute rollte ich meine dünne Reiseyogamatte mitten im Treppenhaus mit Blick auf die Straße aus.

Mir war es wurscht, dass andere Gäste vorbeikamen. Ich machte den Sonnen- und Mondgruß, Kopfstand auf dem harten Boden und einige andere Asanas aus der Rishikesh-Reihe.

Es ist schon lustig, mittlerweile kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, an einem Tag kein Yoga zu machen :-) .

So, da ich nun mal online bin, stelle ich meinen ersten Reisebericht schnell ins Netz rein. Wer weiß, wann ich das nächste mal Zeit und Netz habe.

Ich grüße euch alle herzlich aus Indien.

Eure Sabine

Post to Twitter tweet this Post to Facebook Teile in Facebook

 
Mai 2018
M D M D F S S
« Nov    
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031  
Archive
Kategorien